Herrendutt

Haste mal’n Haarband?

Berlin - Brad Pitt, David Garrett und Collin Farrell sind Fans der Knotenfrisur. Jetzt greift der „Herrendutt“ auch hierzulande um sich.

Männer müssen neuerdings nicht nur Krawatten binden lernen, sondern auch Haare. Während bei Krawatten die Symmetrie entscheidend ist, besteht beim sogenannten „Herrendutt“ die Herausforderung umgekehrt darin, den Haarwuschel möglichst lässig-nachlässig aussehen zu lassen – mehr Destroyed Look als Prima-Ballerina-Chignon. Wie das geht, machten zunächst Sportprofis (Alexandr Dolgopolov, Xavier Malisse, David Beckham) und Hollywoodgrößen (Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Collin Farrell) vor. Inzwischen greift der Herrendutt oder „Man Bun“ auch hierzulande um sich.

Gerade für Landarbeiter wäre der Dutt praktisch, wenn die Kerle beispielsweise beim Holzfällen oder Mähdreschen freie Sicht brauchen. Bislang aber handelt es sich eher um ein Großstadtphänomen. Vorbilder sind nicht Audrey Hepburn oder Natalie Portman („Black Swan“) und schon gar nicht Fräulein Rottenmeier oder Professor McGonagall, aber schon eher coole Samurai-Ritter.

Marc Bennemann, Szenefriseur in Berlin-Mitte beobachtet den Herrendutt inzwischen „allenthalben“. Vergangenen Sommer sei die Epidemie losgegangen. Allerdings möchte er das knödelige Modestatement nicht als „Trend im eigentlichen Sinne“ anerkennen. „Die Leute sind einfach zu faul, sich die Haare richtig zu machen“, meint der Friseur, der sein schulterlanges Haare konsequent offen trägt.

Die Motivation der meisten Männer, die Haare hochzustecken, ist wahrscheinlich wirklich eher simpel. Die Herren wollen beim Beach-Volleyball oder bei der Fahrt mit dem Cabriolet nicht von Haarsträhnen gekitzelt werden. Oder durch Pelz im Gesicht übermäßig schwitzen. Eine Fülle einschlägiger Hair-Tutorials auf Youtube und anderen Internet-Plattformen bietet inzwischen Styling-Anleitungen für gekonnte Dutts.

Ein junger Asiate entschuldigt sich zu Beginn seines Tutorials für die rosa Hello-Kitty-Duschvorhänge im Hintergrund. Das Bad habe seine Schwester „dekoriert“. Mit Ernst und Geschick fügt der schöne Mann Schritt für Schritt sein hüftlanges schwarze Haar zum gekonnten „Samurai Bun“. Wie ein störrisches Hanfseil dreht hingegen ein muskelbewehrter, tätowierter Biker-Typ in einem anderen Tutorial sein leicht fettiges Blondhaar zum Herrendutt. Das Haargummi hält er zwischen den Zähnen fest, bis es zum Einsatz kommt.

Ein Styleblogger hält als Faustregel fest: Männer sollten den Dutt so gestalten, dass es aussieht, als hätten sie nur mal schnell ein Schuhband geschnappt, um lästige Strähnen zu bändigen, während sie mit der anderen Hand an einem störrischen Vergaser herumschraubten.

Ist der Herrendutt ein Schritt in Richtung Metrosexualität und Gendersymmetrie? Ist er Ausdruck männlichen Selbstbewusstseins oder aber ein Krisenphänomen? Ist er cool oder einfach lächerlich? Lässt er Männer weiblich wirken oder gibt er ihnen umgekehrt die Gelegenheit zu beweisen, dass sie sogar mit Hochsteckfrisur ganze Kerle sind? Auf jeden Fall beweisen die Kerle Mut.

Dass Haarknödel durchaus anziehend auf das andere Geschlecht wirken können, hat der New Yorker Stylist Patrick Melville bei sich selbst festgestellt. Mit „Man Bun“ ziehe er einen ganz bestimmten Frauentyp an, sagt er, „Mädchen, die ein bisschen verrückter sind“.

3052595

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare