Berliner wollen doch kein Olympia mehr

Hauptstadt der Spielverderber

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Foto: Eine Forsa-Umfrage wird kommende Woche zeigen, wie viele Berliner die Spiele wirklich wollen.

Berlin - Ausgerechnet auf der Zielgeraden wird das Genöle in Berlin über die stadteigene Olympiabewerbung immer lauter. Auf Plakaten wird weiter verbreitet: „Wir wollen die Spiele.“

Ohne eine gewisse Forschheit lässt sich der Berliner Alltag nicht bewältigen, was Neuberliner ziemlich schnell lernen müssen. Die hochdeutsche Umschreibung der Überlebensmaxime heißt hier: Erst mal einen raushauen – mündlich in der Regel –, entschuldigen kannst du dich später. Was die selbstverständlich auf Sieg angelegte Olympiabewerbung der deutschen Hauptstadt betrifft, befindet sich der Senat derzeit im Zustand des Raushauens. Ob eventuell eine Entschuldigung folgen muss, wird die Welt vermutlich in einer Woche erfahren, spätestens jedoch am 21. März. Dann will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheiden, ob für die Spiele im Jahr 2024 oder (ersatzweise) 2028 die kleine, unbedeutende Hafenstadt Hamburg oder das weltstädtische, magnetisierende Berlin für Deutschland ins Rennen geht.

Soweit also die Berliner Sicht der Dinge. Stadtweit wird auf Plakaten schon mal die Gewissheit verbreitet: „Wir wollen die Spiele.“ Ob das auch stimmt, wird in dieser Woche mit einer Meinungsumfrage sozusagen nachträglich unter der Bevölkerung ermittelt, zeitgleich geschieht übrigens dasselbe in Hamburg.

Die Ergebnisse der Forsa-Umfrage werden dann am kommenden Dienstag veröffentlicht, weshalb man getrost von einer Woche der Wahrheit in beiden Bewerberstädten sprechen kann. Doch ausgerechnet jetzt, auf der Zielgeraden, mischen sich in das eigentlich unerschütterliche Selbstbewusstsein der Berliner nölige Töne in die plakatierte Olympiabegeisterung.

Der Übervater aller Berliner Alternativen, der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele, hat sich über ein Plakat am Brandenburger Tor empört. Und ein Professor hat argwöhnisch die Interviewtechnik der Meinungsforscher begutachtet, weil das Thema Olympia erst nach einigen Fragen zu den Problemen der Stadtentwicklung auftaucht. Da ist natürlich Wachsamkeit geboten, denn eine schlichte Frage: „Wollen Sie Olympia in unserem gleichnamigen Stadion?“ wird wohl anders beantwortet als „Sollte sich Berlin nach der mutmaßlichen Fertigstellung des Flughafens BER in wer weiß wie vielen Jahren auch noch in das Abenteuer Olympia stürzen?“

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