Farm in Schladen

Zu Hause im Schlangenparadies

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Die Reptilienfarm in Schladen gibt es mittlerweile 32 Jahre.

Hannover - Seit 32 Jahren betreibt Jürgen Hergert die Reptilienfarm in Schladen – ein Traum für den Tausendsassa. Doch manchmal denkt der 72-Jährige ans Aufhören.Doch geht das - ohne Schlangen leben?

Jürgen Hergert ist ein umtriebiger Mann. Er ist weit gereist, hat viel gesehen und noch mehr erlebt. Der 72-Jährige erzählt gerne aus seinem Leben - manchmal springt er von Land zu Land, von Geschichte zu Geschichte. Doch auf eines kommt er immer wieder zurück - auf die Schlangen. Sie sind seine Leidenschaft, sein Leben. Jürgen Hergert hat vor 32 Jahren die Schlangenfarm in Schladen im Landkreis Wolfenbüttel aufgebaut. Es ist die größte ihrer Art in Europa. Insgesamt leben hier 1000 Reptilien und mittendrin der Schlangenmann.

Wie es sich anfühlt, von Kriechtieren umgeben zu sein, hat dem 72-Jährige vor langer Zeit zwei Titel eingebracht. Ein etwas ausgeblichenes Schild am Eingang der Farm zeugt davon: Hergert ist Weltrekordhalter im „Schlangen-Sit-in“. 1983 lebt er 90 Tage auf engstem Raum mit 26 hochgiftigen Schlangen, 1986 hält er es sogar noch länger aus - 100 Tage. Ungeschlagen, keiner konnte länger, sagt Hergert. Eigentlich ist der Mann gelernter Maschinenbauer und erfolgreicher Leichtathlet. War immer unterwegs, in Ägypten, Südamerika und lange in Afrika. Bauleiter für Großprojekte sei er gewesen, habe für den Scheich ebenso gearbeitet wie für den Schah von Persien. In fernen Ländern beginnt er, Schlangen zu sammeln, die er immer wieder von dannen kriechen lässt, wenn die Arbeit getan ist. Auf einer Schlangenfarm in Südafrika lernt er den richtigen Umgang mit den Tieren. „Da war mein Traum von einer eigenen Farm geboren“. 1974 kehrt Jürgen Hergert aus Afrika zurück nach Deutschland, zwei Jahre später verwirklicht er seinen Traum in Schladen, dort, wo er aufgewachsen ist.

Drei Jahrzehnte, mehrere Veröffentlichungen und unzählige Auftritte später, denkt Hergert nun ans Aufhören. „Ich hab nicht mehr die Kraft“, sagt er und erzählt im gleichen Atemzug, dass er wieder auf Expeditionreise gehen will, Pläne hat. Und da ist ja auch noch das neue Buch.

Doch an erster Stelle steht immer noch die Farm. Hergert betreibt in Schladen, wie er sagt, drei Unternehmen: Er zeigt seine Tiere auf Reptilienausstellungen, daneben ist die Farm ein Touristenmagnet. Im vergangenen Jahr sind 30 000 Menschen gekommen, um sich die grüne Mamba, die weißen Kobras (Hergerts Lieblingstiere), Rudi, den Tigerpython, Klapperschlangen sowie Krokodile und Echsen anzusehen. Dann gibt es noch die Produktion von Schlangengift. Hergert deckt nach eigenen Angaben mit seinen Lieferungen 34 Prozent des jährlichen Bedarfs an Schlangengift für die pharmazeutische Industrie in Europa ab. Ein Teil des Giftes wird zu Serum, der Rest zu Medikamenten verarbeitet. Die sollen gegen Rheuma, Bluthochdruck oder Gicht helfen. Auch sogenannte Antidote - Gegengifte - können aus den gefährlichen Tropfen der Tiere gewonnen werden. Um an das Gift heranzukommen, werden die Schlangen gemolken. Hergert fixiert dazu eine Giftschlange und hält ihr ein mit Plastikfolie überspanntes Glas hin, bis das Tier hineinbeißt. Tröpfchenweise wird das Gift aufgefangen und dann getrocknet.

Klingt gefährlich. Fünfmal wurde der 72-Jährige von einer Schlange gebissen. Der letzte Biss liegt 14 Jahre zurück. Damals, so sagt er, habe er das Tier einfach übersehen. Ein Fehler, so etwas passiere doch auch jedem Autofahrer irgendwann einmal. Wenn Hergert erzählt, zieht er gerne Vergleiche. Wer lange fährt, macht auch mal einen Unfall. „Die Ärzte in Hannover haben mir das Leben gerettet“, sagt der 72-Jährige. Nach dem Biss der hochgiftigen schwarzen Mamba brauchte er drei Bluttransfusionen.

Lange her, seitdem ist in Schladen viel Gift geflossen, viele Schlangen geboren. Hergert kennt sie alle.

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