Containerschiff Flaminia

Havarie wirft Sicherheitsfragen auf

+
Brennende "Flaminia" (Archivfoto).

Cuxhaven - Ein Feuer wütete an Bord des Containerschiffs „Flaminia“. Kein Land will den Havaristen in einen Hafen lassen. Diese Situation sollte nach internationalen Regeln nicht eintreten. Eine Diskussion über das europäische Sicherheitskonzept auf See ist die Folge.

Wochenlang treibt das Containerschiff „Flaminia“ brennend auf dem Atlantik. Bergungsschleppern gelingt es schließlich, das Feuer unter Kontrolle zu bringen und die Situation an Bord zu stabilisieren. Doch die Reederei findet keinen Hafen, in dem das deutsche Schiff in Sicherheit gebracht werden kann, es bleibt den Wellen des Ozeans ausgeliefert.

Eine Situation, die laut EU-Richtlinie nicht eintreten soll. Schließlich weist das Bundesverkehrsministerium das Havariekommando in Cuxhaven an, die „Flaminia“ nach Deutschland zu holen. Eine Diskussion über internationale Sicherheitskonzepte auf See beginnt.

Zurzeit erkunden zwei Expertenteams die Lage auf dem Schiff, dass in Begleitung von Schleppern vor der Südwestspitze Englands liegt. Die „Flaminia“ war am 14. Juli auf dem Weg von den USA nach Europa aus bisher unbekannter Ursache in Brand geraten. Ein Seemann wurde getötet, ein weiterer wird vermisst. Mehrere Laderäume sind vom Feuer zerstört. Die Außenhülle des Schiffes blieb unversehrt.

Rückblende: Im Oktober 1998 geriet der Holzfrachter „Pallas“ auf der Nordsee in Brand. Rettungsmaßnahmen litten unter unklaren Zuständigkeiten der Behörden, das Schiff strandete auf einer Sandbank vor der schleswig-holsteinischen Insel Amrum und verursachte große Umweltschäden.

Das sollte so nie wieder geschehen. Der Bund und die Länder gründeten das Havariekommando, das bei Notlagen auf See alle Rettungsmaßnahmen koordiniert. Ihre Bewährungsproben bestand die Behörde zum Beispiel beim Brand der Fähre „Lisco Gloria“ auf der Ostsee.

Leiter Hans-Werner Monsees äußerte sein Unverständnis über die Lage der „Flaminia“ kürzlich nur mit einem Satz am Rande einer Pressekonferenz. Über die Weigerung Englands und Frankreichs, den Havaristen aufzunehmen, müsse später auf europäischer Ebene noch gesprochen werden.

Deutlicher wird der niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner (FDP): „Dass das Schiff wochenlang brennend im Atlantik herumtrieb und keine europäische Notfallregelung getroffen werden konnte, ist ein Irrsinn auf hoher See.“ Auch er fordert Gespräche.

Die Bremer CDU-Fraktion will im Parlament über die Havarie sprechen. Dass ein Streit um Zuständigkeiten ausbreche, sei nicht hinzunehmen, sagt der Abgeordnete Paul Bödeker. „Dies muss für die EU-Kommission ein Anlass sein, die Richtlinien zu prüfen und die Zuständigkeiten außerhalb der Zwölf-Meilen-Zone zu klären.“

Ähnlich hatten sich auch schon Vertreter von Umweltverbänden geäußert, die in der Passage des Schiffs durch den Ärmelkanal und das Wattenmeer eine unnötige Gefahr sehen. Greenpeace fordert Nachbesserungen beim Nothafen-Konzept.

Das Bundesverkehrsministerium verweist auf die EU-Kommission, die sich des Falls „Flaminia“ annehmen werde. „Dort wird das mit Sicherheit Thema sein“, sagt Ministeriumssprecher Matthias Schmoll.

Was sieht die EU vor? In Artikel 20 der EU-Richtlinie 2009/17/EG ist geregelt, dass die Behörden eines Landes über die Aufnahme eines Schiffes an einem Notliegeplatz nach Bewertung der Situation entscheiden. Einem Schiff muss demnach der Zugang zu einem Notliegeplatz gewährt werden, wenn das als beste Lösung zum Schutz von Menschenleben und Umwelt erachtet wird.

Wenn keine Gefahr mehr besteht, soll die „Flaminia“ zu einem Liegeplatz in der deutschen Bucht geschleppt werden. Wenn die Ladung gesichert und Löschwasser sowie und Betriebsstoffe abgepumpt sind, kann das Schiff in den JadeWeserPort Wilhelmshaven gebracht werden.

Dort werden die mehr als 2800 Container an Land gebracht. An Bord sind auch 151 Container mit Gefahrgütern, von denen 72 beim Brand zerstört wurden. Monsees versicherte, dass seine Behörde mit dem schrittweisen Vorgehen jede Gefahr für Menschen und Umwelt ausschließen wolle.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare