Autobahn 2

Heftige Diskussion um Autobahnausbau

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Mit 100.000 Fahrzeugen sind auf der Autobahn 2 derzeit täglich doppelt so viele Fahrzeuge unterwegs wie im bundesweiten Durchschnitt.

Hannover - Mit 100.000 Fahrzeugen sind auf der Autobahn 2 derzeit täglich doppelt so viele Fahrzeuge unterwegs wie im bundesweiten Durchschnitt. Wirtschaftsverbände fordern darum vehement den Ausbau und auch Neubau von Autobahnen in Niedersachsen. Besonders heftig diskutiert werden die Pläne für die Autobahnen 39 und 20.

Es ist voll auf der A 2 – und es wird noch voller: Rund 100.000 Fahrzeuge sind es derzeit pro Tag, und damit schon jetzt mehr als doppelt so viele wie im bundesweiten Autobahnschnitt. Die Ost-West-Achse ist besonders stark befahren, aber auch auf anderen Autobahnen wird der Verkehr aller Voraussicht nach anwachsen. Bis zum Jahr 2025 soll das Verkehrsaufkommen bei Hannover sogar auf 125.000 Fahrzeuge pro Tag steigen, davon 23.000 Lkw. Doch dagegen rührt sich auch Protest – nicht jeder ist davon überzeugt, dass mehr Autobahnen auch mehr Entlastung bringen.

Die Pläne betreffen so gut wie jede Region des Landes. Alle Ausbauten sind aufwendig, besonders heftig diskutiert werden aber die Neubauprojekte: die A 39 zwischen Wolfsburg und Lüneburg und die A 20 entlang der Nordseeküste. Alle Baupläne sind von der rot-grünen Landesregierung beim Bundesverkehrsministerium angemeldet worden, was niedersächsische Wirtschaftsvertreter unterstützen. „Niedersachsen ist Logistikland“, heißt es in einer Broschüre des Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertags (NIHK). „Für weiteres Wirtschaftswachstum braucht Niedersachsen Verkehrswachstum.“ Auch für die Unternehmerverbände Niedersachsen stehen die A 39 und die A 20 ganz oben auf der Bedarfsliste.

Susanne Grube von der Bürgerinitiative „A 20 – nie“ kann das nicht nachvollziehen. „Wenn wir eine Verlagerung auf umweltfreundlichere Verkehrsträger haben wollen, ist es kontraproduktiv, wenn wir Straßen bauen.“ Grube mag auch nicht so recht glauben, dass eine Autobahn das Wirtschaftswachstum in einer strukturschwachen Region anschieben kann. Sie verweist dafür auf ein Beispiel: die A 20, allerdings den bereits fertigen Abschnitt zwischen Hamburg und Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. „Da hat sich nichts getan, Vorteile hat allein die Metropolregion Hamburg“, sagt sie. Eine Autobahn ermögliche es halt Menschen im ländlichen Raum, zum Einkaufen in die Stadt zu fahren. Im Gegenzug werde aber kein Hamburger aufs Land fahren, um dort etwas zu kaufen.

Gerd Will, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, verteidigt dennoch die Aussage, dass Verkehrswege wichtig für das Wirtschaftswachstum seien. „Wir müssen das in einem größeren Maßstab sehen: 90 Prozent der Güter kommen über die See, deshalb sind die Häfen so wichtig“, sagt Will. Ein Hafen sei aber nur so konkurrenzfähig, wie seine Hinterlandanbindung das zulasse. Und wenn Niedersachsen nicht aufpasse, werde man gegenüber den Niederlanden oder sogar den italienischen Häfen verlieren.

Reden Sie mit!

Es wird immer voller auf Straßen und Schienen, gleichzeitig leidet die Substanz. Und nun? Am 11. März treffen sich Experten in Hannover zu einem Kongress zum Ausbau der Verkehrswege, organisiert von der Initiative für zukunftsfähige Infrastruktur, die der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen ins Leben gerufen hat. Und Sie können mitreden! Schicken Sie uns Ihre Anregungen. Wo müssen Straßen dringend renoviert werden? Welche Bahnstrecke soll wieder ans Netz gehen? Wir sammeln Ihre Hinweise und gehen ihnen nach.Für Ihren Hinweis reicht eine E-Mail an hannover@haz.de mit dem Stichwort „Baustellen-Atlas“ oder ein Brief an die HAZ-Redaktion, Stichwort „Baustellen-Atlas“, August-Madsack-Straße 1, 30559 Hannover. Sie können uns Ihre Anregungen auch bei Facebook und Twitter mit dem Hashtag #Baustellen-Atlas senden. Einsendeschluss ist der 6. März.

Susanne Menge, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, hält es angesichts des maroden Zustands der bestehenden Straßen für unsinnig, über neue Autobahnen nachzudenken. „Selbst Spediteure sagen mir mittlerweile, dass der wirtschaftlich größere Schaden entsteht, weil sie über bestimmte Brücken nicht mehr fahren können.“ Deshalb ihre Forderung: „Erhalt vor Ausbau und Neubau.“

Der Konflikt um neue Autobahnen ist für die Landesregierung besonders heikel, denn nirgendwo liegen SPD und Grüne so weit auseinander. Eine Konfrontation konnte bislang vermieden werden, da die wesentlichen Weichenstellungen durch den Bundesverkehrswegeplan getroffen werden – und der wird derzeit noch vom Bundesverkehrsministerium bearbeitet. Doch im Laufe dieses Jahres soll der Plan vorgelegt werden – und dann wird auch die Landesregierung wohl Farbe bekennen müssen.

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