Ausnahmezustand verhängt

Heftiger Vulkanausbruch in Chile

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Foto: Nach mehreren Explosionen bildete sich am Mittwoch eine 15 Kilometer hohe Rauch- und Aschewolke

Santiago de Chile/San Carlos de Bariloche - Zwei Ausbrüche eines Vulkans binnen wenigen Stunden haben den Süden Chiles in den Ausnahmezustand versetzt. Der Vulkan Calbuco spie am späten Mittwoch eine Aschewolke 15 Kilometer in die Höhe, woraufhin die Behörden die Evakuierung der Region in einem Umkreis von 20 Kilometern anordneten.

Nach mehr als 40 Jahren Ruhe hat sich der Vulkan Calbuco im Süden Chiles mit zwei gewaltigen Ausbrüchen zurückgemeldet. Über dem Krater bildete sich am Mittwochabend eine zehn Kilometer hohe Rauch- und Aschewolke. Am frühen Donnerstag folgte ein zweiter Ausbruch des 2000 Meter hohen Vulkans. Der Berg stieß auch glühendes Gestein und Flammen aus, Blitze am rötlich-violett gefärbten Himmel sorgten zusätzlich für ein spektakuläres Naturschauspiel. Die Behörden riefen die höchste Alarmstufe Rot aus und ordneten die Evakuierung der Bevölkerung aller Orte im Umkreis von 20 Kilometern an.

Der Ausbruch stelle ein großes Risiko für die Bevölkerung dar, warnte der Katastrophenschutz. Mehr als 5000 Menschen seien bereits aus der Gemeinde Ensenada und anderen Ortschaften in Sicherheit gebracht worden, hieß es. Zudem wurde die Armee entsandt. Auf Straßen und an Tankstellen bildeten sich lange Staus, wie Fernsehbilder zeigten. Zudem seien angesichts des Ascheregens Schutzmasken ausgeteilt worden.

Nach Angaben des Nationalen Geologischen Dienstes (Sernageomin) gab es bislang zwei Eruptionen, eine dritte sei wahrscheinlich. Zudem habe es zahlreiche kleinere Erdbeben gegeben. „Dieser Ausbruch ist weitaus stärker als der des Vulkans Villarrica Anfang März“, sagte Innenminister Rodrigo Peñailillo.

Der erste Ausbruch dauerte in der Nacht zu Donnerstag etwa eineinhalb Stunden an. Auf einer Skala von null bis acht für die Stärke von Vulkanausbrüchen ordneten ihn die Behörden bei etwa vier bis fünf ein. Der zweite Ausbruch war demnach noch einmal ungefähr gleich stark. Dem Rundfunksender Radio Cooperativa zufolge bildete sich am Krater eine kleine Lava-Lagune. Die Behörden warnten davor, dass der Vulkan noch weiter Lava ausspeien könne, und vermuteten zudem einen dritten Ausbruch des Vulkans.

Die Frühwarnsysteme schlugen erst wenige Minuten vor dem ersten Ausbruch an. Bereits vor einer Woche habe es ein Treffen mit Experten des Geologischen Dienstes gegeben, um Maßnahmen für den Fall einer Eruption zu besprechen, meldeten örtliche Medien. Zuvor hätten Einwohner über ein unterirdisches Rumoren rund um den Vulkan berichtet. „Die Menschen sind sehr verängstigt“, sagte der Bürgermeister von Puerto Montt, Gervoy Paredes. Die Lage sei angesichts der überraschenden Ausbrüche „ziemlich kompliziert“. In der 240 000 Einwohner zählenden Stadt, 50 Kilometer westlich des Vulkans, wurde der Flughafen geschlossen und eine nächtliche Ausgangssperre ausgerufen.

Präsidentin Michelle Bachelet wollte noch am Donnerstag gemeinsam mit mehreren Ministern die betroffene Region besuchen. Im Umkreis des Vulkans könne es einen bis zu einem Meter dicken Ascheteppich geben. Bachelet warnte, dass Schäden für die Landwirtschaft und die Infrastruktur möglich seien. „Vor allem aber die Gesundheit“ der Menschen sei in Gefahr. Über mögliche Verletzte, Vermisste oder Sachschäden lagen noch keine Angaben vor.

Auswirkungen gab es auch im benachbarten Argentinien. Dort wurde der Flughafen von San Carlos de Bariloche vorläufig geschlossen. Im naheliegenden Villa La Angostura ging am Mittwochabend die erste Asche des rund 100 Kilometer entfernten Calbuco nieder. Der Ascheregen nach dem Ausbruch des 40 Kilometer entfernten chilenischen Vulkans Puyehue hatte 2011 die Region um Bariloche schwer getroffen.

Der Calbuco gilt als einer der gefährlichsten unter den 90 aktiven Vulkanen des südamerikanischen Landes. Er war zuletzt 1972 ausgebrochen.

Von Carlos Dorat und Christof Meißner

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