Katastrophenalarm in Bad Fallingbostel

Heidekreis zahlt vorerst Zeche für Chemieunfall

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Nach dem Chemieunfall beim Lebensmittelhersteller in Bad Fallingbostel prüft der Landkreis Heidekreis nun die Haftungspflicht des Verursachers Kraft Foods.

Bad Fallingbostel - Wer muss für den Einsatz von Polizei und Feuerwehr nach dem Chemiunfall bei Kraft Foods in Bad Fallingbostel haften? Unklar ist auch noch, wieso Mitarbeiter versehentlich Lauge und Salpetersäure mischten.

Nach dem Chemieunfall beim Lebensmittelhersteller in Bad Fallingbostel prüft der Landkreis Heidekreis nun die Haftungspflicht des Verursachers Kraft Foods. Offenbar hatten Kraft-Mitarbeiter am Montag versehentlich 14000 Liter Natronlauge und 10000 Liter Salpetersäure in einem Reinigungstank gemischt. Beim Versuch die sensiblen Substanzen voneinander zu trennen, kam es zu einer Verpuffung. Die giftige Gaswolke zog über angrenzenden Wohngebiete. Am Dienstag drohte der Plastiktank wegen einer hohen Hitzeentwicklung im Inneren zu schmelzen. Der Heidekreis rief Katastrophenalarm aus, rund 1800 Anwohner mussten ihre Wohnungen verlassen und übernachteten zum Teil in Notunterkünften. Erst nach 20 Stunden gaben Feuerwehr und Polizei Entwarnung. Nun gilt es zu klären, wie es zum den Vorfall kam - und wer für die Kosten des Einsatzes der mehr als 1000 Helfer aufkommt.

Auf den Straßen in der Kreisstadt Bad Fallingbostel ist einen Tag nach dem Großeinsatz von rund 1000 Helfern wieder Ruhe eingekehrt. Die Sperrungen rund um das Kraft-Gelände und auch die Feldbetten aus den Notunterkünften in der Heidmarkhalle in Bad Fallingbostel und der Glaubenshalle in Krelingen bei Walsrode seien abgebaut, berichtete ein Sprecher der Polizeiinspektion Heidekreis am gestrigen Mittwoch. Auch die Produktion bei Kraft sei nach Prüfung durch die Lebensmittelaufsichtsbehörde wieder angelaufen - zumindest zum Teil. Das teilte die Unternehmenssprecherin Heike Hauerken mit. Doch was bleibt, sind viele offene Fragen.

Wer trägt die Schuld an dem Vorgall? Wie konnte es dazu kommen, dass die beiden sensiblen Substanzen miteinander gemischt wurden? Diese Fragen können weder Kraft Food noch die Staatswanwaltschaft Verden beantworten. Normalerweise werden die Substanzen zur Reinigung von Produktionslinien genutzt. „Wir haben eine gründliche Untersuchung der Ursachen angeordnet“, sagte Hauerken. „Detaillierte Auskünfte über den Hergang können wir noch nicht geben.“ Kraft-Mitarbeiter seien gut geschult und mit den hohen Sicherheitsbestimmungen im Werk vertraut, versicherte die Sprecherin. Auch Werksleiter Carsten Boldt ist ratlos: „So etwas hat es hier noch nicht gegeben.“

Für die Kosten des Großeinsatzes muss zunächst der Landkreis aufkommen, erklärt Andreas Pütz, Sprecher des Heidekreises. Grund dafür ist die Tatsache, dass der Landkreis den Katastrophenalarm ausgelöst hat. „Ob der Heidekreis auf den Kosten sitzen bleibt oder sie von Kraft zurückfordern kann, bleibt zu klären.“ Über die Höhe der Schäden konnten Kraft und Justiz noch keine konkreten Angaben machen. Gewiss ist aber, dass Polizei und Staatsanwaltschaft nun gegen den Lebensmittelhersteller ermitteln - wegen schwerer Gefährdung durch Freisetzen von Giften. Ob der Zwischenfall ein strafrechtliches Nachspiel haben wird, sei noch offen, heißt es vonseiten der Polizei. „Es gibt bislang nur einen Anfangsverdacht“, weitere Einzelheiten wollte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Lutz Gaebel, nicht nennen.

Indes lobte Kraft-Sprecherin Hauerken die Zusammenarbeit mit Feuerwehr, Bundeswehr, Technischem Hilfswerk und Deutschem Roten Kreuz, die bei diesem „großen Einsatz das Schlimmste verhindern konnten“. Den Vorwurf mancher Anwohner, die Kommunikation mit den Behörden während der Evakuierung sei nicht ausreichend gewesen, will Hauerken nicht weiter kommentieren. Doch so viel sei gesagt: „Auf unserer Sicht war die Zusammenarbeit mit Medien, Behörden und Helfern sehr gut.“ Auch Heidekreis-Sprecher Pütz relativiert die Beschwerden einiger betroffener Anwohner: „Ob die Kritik berechtigt ist, kann ich noch nicht beurteilen, doch wir können dennoch aus ihr lernen.“ Manfred Ostermann, Landrat des Heidekreises, und seine VertreterinHelma Spöring seien in den Notunterkünften gewesen, um den Menschen beizustehen.

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