Rockerclub

Hells Angels weiter auf Expansionskurs

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Vor einem halben Jahr löste sich der Hells-Angels-Club in Hannover auf, doch die Rocker haben sich andernorts neu formiert.

Hannover - Spektakuläre Polizeiaktionen und ein harter Kurs der Politik sollten die kriminellen Machenschaften der Hells Angels eindämmen. Auf Verbotsdrohungen reagierten die Rocker mit Selbstauflösungen. Aber sind die Clubs wirklich geschwächt?

Obwohl Druck der Politik und Polizeiaktionen den Hells Angels zugesetzt haben, kann von einem Rückzug des Rockerclubs im Norden nach Behördeneinschätzung keine Rede sein. Vor gut einem halben Jahr löste sich der mächtige Ortsclub in Hannover sowie auch der in Bremen auf, doch an der Weser und auch andernorts haben sich die Rocker bereits neu formiert. „Verlagerungen und Neugründungen wurden vom Landeskriminalamt Niedersachsen erwartet“, sagt LKA-Präsident Uwe Kolmey. „Die aktuelle Entwicklung hat uns recht gegeben. Wir werden die Aktivitäten der Rockergruppierungen nach wie vor intensiv beobachten und stehen im engen Kontakt mit den anderen Landeskriminalämtern.“

Neugründungen von Ortsclubs der Hells Angels habe es im Bereich Wilhelmshaven, Wolfsburg, Helmstedt/Magdeburg und Göttingen gegeben, teilte das LKA mit. Mit dem Charter in Nordhorn gebe es damit insgesamt fünf Hells Angels-Clubs in Niedersachsen. Seit bereits längerer Zeit zeichne sich bei den Rockergruppierungen ein ausgeprägter Expansionsgedanke ab. Dabei gehe es im Wesentlichen um Machtansprüche. Wer in einem Ort präsent sei, besitze auch die regionale Macht im entsprechendem Milieu.

Durch Selbstauflösungen einiger Vereine sei zwar optisch eine Veränderung eingetreten, zumal die ehemaligen Mitglieder nicht mehr in ihren sogenannten Kutten gemeinsam auftreten, so das LKA. Ein Großteil sei jedoch nach wie vor im Milieu präsent und trete mit gleichartiger Kleidung in Erscheinung. Die persönlichen Strukturen der ehemaligen Mitglieder untereinander dürften nach wie vor Bestand haben. In Hannover habe die Auflösung nicht dazu geführt, dass der bekannte Personenkreis sich aus dem Rotlichtviertel am Steintor zurückgezogen hat. Die Kriminalitätslage dort habe sich nicht verändert.

Der Druck auf die Rockerszene ist und bleibe weiterhin hoch, betonte eine Sprecherin des Innenministeriums in Hannover. „Alle rechtlichen Möglichkeiten werden permanent und konsequent genutzt, um gegen Rockerclubs in Niedersachsen vorzugehen.“

dpa

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