Arbeitsschutz

Helm auf im Schlachthof!

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„Extrem hohe Belastung“: Arbeiter hängen Geflügel ans Fließband.

Hannover - Wer mit lebenden Geflügel arbeitet, ist deutlich mehr gefährdet, an Lungen- oder Atemwegserkrankungen zu leiden, als andere Beschäftigte. Das haben Forscher der Bundesanstalt für Arbeitsschutz herausgefunden. Dabei forschten wie Wissenschaftler über einen Zeitraum von 12 Monaten.

Menschen, die tagtäglich mit lebendem Geflügel arbeiten, zeigen ein deutlich erhöhtes Risiko, an den Atemwegen zu erkranken. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zu Erkrankungen bei Stall- und Schlachthofarbeitern.

Wissenschaftler haben über einen Zeitraum von zwölf Jahren Mitarbeiter in der Tierhaltung immer wieder untersucht. Noch ist die Studie nicht abgeschlossen - doch in Deutschlands führendem Geflügelland Niedersachsen (mit rund 900 großen Puten- und Mastställen) habe man sich schon einmal nach den Ergebnissen erkundigt, sagt Projektleiter Gunter Linsel. Eines sei schon klar - Nachbesserungen beim Arbeitsschutz seien erforderlich.

Bei den Untersuchungen gehe es vor allem darum zu zeigen, wie Arbeitnehmer besser geschützt werden können. „Je enger und länger der Kontakt zum Tier, desto gefährlicher wird es für den Mitarbeiter“, so Linsel. Einzelne Arbeitsplätze in der Produktionskette würden eine „extrem hohe Belastung mit Stäuben und Keimen“ nach sich ziehen.

Viele Arbeiter verzichten auf Schutzmasken

Das gilt laut Studie der Bundesanstalt insbesondere für Angestellte in der Lebendtierannahme im Geflügelschlachthof oder für Brütereimitarbeiter. Wer beispielsweise im Schlachthof Enten einhängt, atmet besonders viel Dreck ein. Die Tiere kann man - anders als Hühner - nicht mit Kohlendioxid betäuben. „Deshalb flattern sie extrem beim Einhängen, und aller Schmutz aus ihrem Gefieder wird freigesetzt“, sagt Linsel. Weil dieser Job zudem körperlich sehr anstrengend ist, verzichten die Arbeiter oft auf Schutzmasken, um besser atmen zu können. Deshalb haben die Wissenschaftler einen Helm getestet, bei dem Frischluft direkt ins Visier geleitet wird. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht“, sagt Gunter Linsel. Die Arbeiter würden diese Art Motorradhelm meist auch lieber tragen als Atemschutzmasken. Allerdings seien die Helme sehr teuer in der Anschaffung.

In der Brüterei, so schlägt die Studie vor, könnte durch Lüftungen und Frischluftzufuhr die Arbeitssituation verbessert werden. Dagegen sind andere Tätigkeiten wie das Einsammeln von Eiern mit einem geringeren Risiko verbunden. „Überraschenderweise konnten wir keine Effekte auf die Lungenfunktion feststellen“, sagt Linsel. Die Belastung sei in einem „tolerablen Rahmen“. Auch beim Einstreuen im Stall beispielsweise mit Holzspänen genüge eine Schutzmaske, weil diese Tätigkeit kurz und damit absehbar sei.

Bis 2015 soll die Langzeitstudie abgeschlossen sein. Derzeit werden die gesammelten Proben der einzelnen Mitarbeiter genauer ausgewertet. So soll überprüft werden, ob es durch die Arbeit mit den Tieren neben Atemwegserkrankungen auch weitere Auswirkungen auf die Gesundheit gibt. Auch die Allergie- und Infektionsrate könnte bei Arbeitern in Ställen und Schlachthöfen erhöht sein.

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