150.000 für Flasche Wein?

Herr Huang und ein unmoralisches Angebot

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Bremen - Ein Milliardär aus China, eine Flasche Wein aus dem Bremer Ratskeller für 150.000 Euro und eine klamme Stadt: Verkauft Bremen sein Weltkulturerbe in den fernen Osten? Hier kommt die wahre Geschichte.

Die Geschichte war zu schön: Chinesischer Milliardär auf der Reise zu Stätten des Weltkulturerbes entdeckt im Bremer Ratskeller einen Wein aus dem Jahr 1653. Flaschenpreis: 150.000 Euro. Milliardär möchte kaufen, Kellermeister zögert. Darf man Wein, der Weltkulturerbe ist, einfach so verkaufen? Schwierige Frage.

Bremen ist notorisch klamm, insofern wäre es nicht schlecht, eine Flasche des edlen Rüdesheimers zu versilbern. Andererseits: Der Wein ist wirklich sehr, sehr kostbar. 1996 wurde das Fass zum vorerst letzten Mal geöffnet. Der berühmte Weinjournalist Stuart Pigott war in der Stadt und durfte ein bisschen nippen. Zuvor (1978) war die Queen in den Genuss eines halben Gläschens gekommen. Und nun sollte ein chinesischer Milliardär gleich eine ganze Flasche davon kaufen dürfen? Große Aufregung in Bremen! Eine der Tageszeitungen machte eine Umfrage (Ergebnis: sieben von zehn Bremern sind für den Weinverkauf), auch andere Medien berichteten bundesweit über das Bremer Wein­dilemma („Unmoralisches 150.000-Euro-Angebot aus China“ titelte die „Süddeutsche Zeitung“), und ein Senator schrieb einen Brief.

Der Bremer Ratskeller gehört der Stadt, der Bremer Wirtschaftssenator Martin Günthner ist zuständig und wendet sich schriftlich an Huang Nubo – so heißt der Milliardär, der unter anderem mit dem Bau von Ferienhaussiedlungen reich geworden ist. Wie das denn genau gemeint sei mit dem Kauf, will man wissen. Eine Antwort ist in Bremen bisher noch nicht eingegangen. Nicht weiter schlimm, meint Senatssprecher Holger Bruns. „Der Wein ist über 350 Jahre alt, da gibt es keinen Grund, jetzt etwas übers Knie zu brechen“, sagte er gestern.

Auch die HAZ hat nachgefragt – und am Donnerstag eine Antwort des Milliardärs erhalten. „Ich habe in Bremen nie die Absicht geäußert, Wein zu erwerben“, antwortete der Milliardär auf die Frage, was denn dran sei an seinen Weinkaufplänen und in welcher Runde er denn den Wein zu genießen gedächte. Überhaupt sei er kein Weinsammler, und weder er noch sein Übersetzer hätten beim Besuch im Bremer Ratskeller je davon gesprochen, Wein zu kaufen. Auch in seinen Tagebüchern habe er nichts davon festgehalten. Vielleicht, so überlegt Herr Huang, sei das ein Scherz zum chinesischen Neujahrsfest gewesen.

Huang Nubo fördert Kunst und Kultur, er schreibt Gedichte (im Hildesheimer Olms Verlag ist sein Buch „Kakerlaken-Kunde“ erschienen), er ist leidenschaftlicher Bergsteiger, kulturinteressierter Reisender, der sich zum Ziel gesetzt hat, nach und nach alle Unesco-Weltkulturerbestätten zu bereisen (160 Länder stehen auf der Liste, in Deutschland begann die Reise), und er ist Buddhist. Als solcher, sagt er, sei er vor allem eines: bescheiden. „Ich schätze das einfache Leben, und ich würde keine teuren Dinge allein zu meinem persönlichen Vergnügen kaufen.“

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