Verein Deutsches Sandmuseum

Der Herr der Sände

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Foto: Sandsammler Ralf Hermann hält im Deutschen Sandmuseum „Sandwelten“ in Cramme verschiedenen Sandproben in den Händen. Das Museum zeigt nicht nur Sände, sondern informiert auch über die Kulturgeschichte des Sandes.

Braunschweig - Sand ist alltäglich, Sand fällt kaum auf – und ist den meisten Menschen vor allem am Strand willkommen. Ein 50-Jähriger aus Niedersachsen sieht das völlig anders: Er sammelt Sand. Ein weites Feld – oder besser eine tiefe Sandgrube.

Sand gibt es überall. Also nichts besonderes - oder doch? Jeder Sand ist anders, das macht ihn interessant für Sammler. Ralf Hermann aus Cramme im Kreis Wolfenbüttel sammelt tatsächlich Sand. Das macht er seit 25 Jahren - und weiß inzwischen fast alles darüber. Sein Archiv umfasst 45000 verschiedene Sandproben - Sände aller Farben, Körnungen und Herkunftsgebiete, Sände aus fast allen Ländern der Erde, von Gletschern und Wüsten, von Seen und Flüssen, von Meeresböden und unzähligen Inselstränden. „Es ist die größte private Sandsammlung der Welt“, betont der 50 Jährige.

Sand gehört auch ins Museum. So hat Hermann die Gründung des Vereins Deutsches Sandmuseum vorangetrieben, dem 70 von geschätzt 500 ernsthaften Sammlern in Europa angehören. Der Verein betreibt das kleine Museum „Sandwelten“, das im Obergeschoss von Hermanns Haus in Cramme untergebracht ist. Das Museum zeigt nicht nur die verschiedensten Sände, sondern informiert auch über die industrielle Nutzung des Sandes, über Sandprodukte und Sandkunst, etwa über die religiös begründeten Sandgemälde verschiedener Ethno-Kulturen.

Beschriftete Sandproben in verschiedenen Farben sind im Deutschen Sandmuseum "Sandwelten" in Cramme zu sehen.

Quelle: dpa

Ein vergleichbares Museum gebe es weltweit nicht, sagt Hermann. Kein Wunder? Das sehen die Mitglieder des Vereins völlig anders. „Wir wollen die Faszination des Sandes auch anderen Menschen nahebringen“, erklärt der zweite Vorsitzende, Michael Dietrich aus Sottrum (Kreis Hildesheim). Dietrich hat eine Sammlung von 7200 Sänden. Er hat sich auf Inseln spezialisiert - je kleiner und abgelegener, desto exotischer.

So hat er beispielsweise Sand von der Pazifik-Insel Pitcairn, auf die sich 1790 die Meuterer des britischen Schiffes „Bounty“ flüchteten. Dietrichs Leidenschaft ist die Fotografie, mit der er die Schönheit von Sänden dokumentieren will.

Der Verein organisiert jährliche Treffen mit Exkursionen, Fachvorträgen und einer Tauschbörse, gibt ein englischsprachiges Sand-Journal heraus und betreibt einen Internet-Shop. Hermann: „Wir haben auch Regeln erarbeitet, wie man eine größere Sammlung optimal ordnet und katalogisiert.“ Seine 45 000 Proben hat er nicht nach Sandarten, sondern nach präzise und detailliert beschriebenen Fundorten geordnet, viele Proben hat er auch mikroskopisch untersucht und beschrieben.

Die meisten dieser Proben hat er selbst auf vielen Reisen gesammelt, andere hat er sich mitbringen lassen. Einige Sammlungen hat er auch geschenkt bekommen. Hermann hat schon Sandproben für Forschungszwecke verliehen - und würde gerne professioneller mit wissenschaftlichen Institutionen zusammenarbeiten.

Doch der 50-Jährige sammelt nicht nur den Sand aller Herren Länder, sondern sehr spezielle Sände: So hat er eine Sammlung mit Löschsänden, mit denen vor Jahrhunderten die frische Tinte auf Dokumenten getrocknet wurde. Solche Sände finde man noch heute in alten handgeschriebenen und lange nicht benutzten Büchern und Schriftstücken, auf deren Suche Hermann und einige Mitstreiter schon so manches Archiv durchstöbert haben. Inzwischen hat er rund 400 verschiedene Löschsand-Proben gefunden.

Und auch das ist noch nicht alles: Hermann sammelt auch Sanduhren. Außerdem ist er dabei, mit anderen Experten sogenannte Kanzel-Sanduhren in alten Kirchen aufzuspüren und zu dokumentieren. Was das ist? Solche Sanduhren wurden seit dem 16. Jahrhundert auf den Kanzeln vieler Kirchen installiert, um die Predigtzeit der Geistlichen zu begrenzen.

Und jetzt geht es auch um Promis - und „VIP-Sände“. Prominente sollen Sand aus fernen Ländern als Reise-Souvenirs mitbringen. Der Anfang ist schon gemacht: die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat auf Bitten Hermanns im Sommer eine Sandprobe vom Strand des brasilianischen WM-Quartiers Campo Bahia geliefert.

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