Ebola-Patienten geheilt:

„Heute ist ein Tag der Wunder“

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Hannover - Mindestens 1350 Menschen sind an der Ebola-Epidemie in Afrika gestorben – die beiden amerikanischen Patienten, der Arzt Kent Brantly und die Krankenschwester Nancy Writebol haben dagegen die Krankheit überlebt und gelten als geheilt.

"Heute ist ein Tag der Wunder", sagte Brantly auf einer Pressekonferenz im Emory University Hospital in Atlanta. "Ich bin außer mir vor Freude, am Leben zu sein, wohlauf zu sein und mit meiner Familie vereinigt zu sein", sagte der 33-Jährige.

Die Nonne und Krankenschwester Nancy Writebol sei schon am Dienstag aus dem Krankenhaus entlassen worden, teilte die christliche Hilfsorganisation, für die beide in Liberia Ebola-Patienten betreut hatten, am Donnerstag mit. Der Arzt Kent Brantly wurde am Donnerstag aus dem Krankenhaus in Atlanta entlassen. Beide waren vor drei Wochen mit einem Spezialflugzeug aus Liberia ausgeflogen worden. Sie hatten das experimentelle Mittel "ZMapp" bekommen.

Ob die Heilung von Brantly an dem Medikament liegt, das aus gezüchteten Antikörpern hergestellt wird und vorher nur an Affen getestet wurde, ist unklar. Brantly hatte zudem Blut von einem Ebola-Patienten bekommen. Der 14-Jährige hatte die Krankheit auch deshalb überlebt, weil Brantly ihn behandelt hatte.

Dagegen ist die Zahl der mutmaßlichen Ebola-Toten auf mindestens 1350 gestiegen, ohne dass ein Ende der mörderischen Epidemie in Westafrika in Sicht wäre. Das Ebola-Virus werde noch etliche Monate Menschen töten, ehe die Epidemie eingedämmt werden könne, erklärte die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan. Die Welthungerhilfe warnte am Donnerstag, dass sich zusätzlich zur Gesundheitskrise im westlichen Afrika eine Hungerkrise entwickele.

Wegen der Schließung von Grenzen in Westafrika und anderer notwendiger Quarantänemaßnahmen sei der Handel vielerorts zum Erliegen gekommen, sagte Asja Hanano, Koordinatorin der Welthungerhilfe in Liberia, am Donnerstag in Berlin. Große Märkte blieben deshalb geschlossen. Zudem seien in Sierra Leone viele Bauern an Ebola gestorben oder dürften ihre Häuser für Wochen nicht mehr verlassen. Die Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis seien dort bereits um bis zu 40 Prozent gestiegen.

WHO-Chefin Chan machte in einem Beitrag für die US-Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" darauf aufmerksam, dass sich Ebola über die bislang betroffenen vier Länder hinaus ausbreiten könnte. Der Fall eines nigerianischen Arztes habe gezeigt, dass das lebensgefährliche Virus von infizierten Flugreisenden in "jede Stadt mit einem internationalen Airport" gelangen könne.

Das größte Problem bei der Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs in den am stärksten betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone könne mit einem einzigen Wort beschrieben werden: Armut. In diesen Ländern kämen nur ein oder zwei Ärzte auf 100 000 Einwohner. Zudem seien die Gesundheitssysteme in jahrelangen Konflikten weitgehend zerstört worden. "Die internationale Gemeinschaft muss sich darauf einstellen, dass noch viele weitere Monate lang massive, koordinierte und zielgerichtete Unterstützung nötig sein wird", schrieb Chan. In diesen Ländern ließe sich "die Einstellung der Öffentlichkeit in zwei traurigen Worten zusammenfassen: hilflos und hoffnungslos".

dpa

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