Projekt „Fishing for Litter“

Hier gibt es Müll wie Sand am Meer

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„Wir haben seit dem Start fünf Tonnen Müll aus dem Meer geholt“: Plastikflaschen, Getränkedosen oder Einwegartikel verschandeln trotzdem noch die Strände.

Hannover - Mit dem Projekt „Fishing for Litter“ („Nach Müll fischen“) versuchen Nabu, niedersächsisches Umweltministerium und andere Partner seit zwei Jahren den Abfall in der Nordsee zu reduzieren. Nun zieht der Nabu eine positive Zwischenbilanz.

Müll wird zu einem immer größeren Problem für die Meere. Laut Umweltbundesamt schwimmen derzeit rund 100 bis 150 Millionen Tonnen Abfälle in den großen Gewässern der Erde. Auch die Müllmenge in der Nordsee nimmt stetig zu.

In sechs Häfen an der Nordsee sowie drei weiteren Orten an der Ostsee helfen Fischer, Unrat aus dem Meer zu holen, und diesen zu entsorgen. „Wir haben seit dem Start etwa fünf Tonnen Abfälle aus den beiden Meeren geholt“, sagt Nils Möllmann vom Naturschutzbund Nabu. „Den Großteil davon aus der Nordsee.“ Das niedersächsische Umweltministerium, das die Startphase mit 66.000 Euro finanziert hat, prüft nach Aussage einer Sprecherin derzeit, wie eine weitergehende Förderung aussehen kann.

Die Idee ist einfach und effektiv: Wenn Fischer beim Fischfang Müll in ihren Netzen entdecken, nehmen sie ihn mit an Land. Früher kam es häufig vor, dass die Seeleute den mitgeangelten Abfall einfach wieder über Bord warfen. Heute können sie ihn in großen Taschen, sogenannten Big Bags, sammeln, die ihnen der Nabu und die anderen Partner des Aktionsbündnisses zur Verfügung stellen. „Im Hafen angekommen, wird der Sack in einem von uns bereitgestellten Container entsorgt“, sagt Möllmann. „Die Container sind auffällig markiert und verschlossen, nur die Fischer haben Zugriff darauf.“

Der Abfall wird von Zeit zu Zeit in eine Deponie gebracht und dort von Mitarbeitern des Nabu und des Landes händisch sortiert sowie kategorisiert. „So gewinnen wir zusätzlich wertvolle Informationen über die Herkunft und die Zusammensetzung des Mülls in der Nordsee“, sagt der Experte für Meeresschutz. So kann er heute schon sagen, dass etwa drei Viertel der Unrats aus Plastik besteht. Der Müll stamme aus der Seeschifffahrt, der Fischerei, dem Tourismus oder werde über die Flüsse in die Nordsee transportiert.

An der Küste wächst die Beliebtheit des Projekts: Ab Herbst macht mit Fedderwardersiel ein weiterer Hafen mit. Für das Ziel, die Abfallmenge zu reduzieren, ist jeder Fischer und jede Gemeinde ein Gewinn: Denn der Nabu schätzt, dass jährlich 20.000 Tonnen Müll dazukommen, 75 Prozent davon sind Plastikabfälle.

Die Meere und ihre Ökosysteme leiden immer mehr unter den Reststoffen, die in ihnen schwimmen. „Die ökologischen, ästhetischen und wirtschaftlichen Folgen von Müll im Meer sind dramatisch“, erläutert Möllmann, warum das Projekt „Fishing for Litter“ so wichtig ist. „Viele Tiere verfangen sich in Netzen und Bändern, oder fressen Abfall, der ihren Verdauungstrakt verstopft. Diese verenden dann qualvoll.“ Nur unzureichend seien bislang die Informationen, inwiefern Schadstoffe über die Nahrungskette wieder auf dem Teller der Menschen landeten, sagt der Nabu-Experte. Deshalb sei es wichtig, das Projekt fortzuführen. „Die Gespräche mit dem Land über eine Fortsetzung laufen zurzeit.“

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