Hilfe für Homs unter Mörserbeschuss

Homs - Kein gutes Omen für die Genfer Syrien-Verhandlungen: Ein Hilfskonvoi für die belagerte Stadt Homs gerät unter Mörserbeschuss. Dabei sollte der humanitäre Einsatz Vorbild für weitere sein.

Kurz vor Wiederaufnahme der Syrien-Gespräche am Montag in Genf haben erstmals Lebensmittellieferungen die notleidende Bevölkerung in der Altstadt von Homs erreicht. Die Helfer der Vereinten Nationen (UN) und des Syrischen Roten Halbmonds setzten dabei ihr Leben aufs Spiel. Denn entgegen einer vereinbarten Waffenruhe geriet ihr Hilfskonvoi am Samstag unter heftigen Mörserbeschuss. Die Altstadt wird seit 18 Monaten von Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad belagert. Rund 2500 Menschen sind dort eingeschlossen und klagen über Hunger sowie fehlende Medikamente.

Nach dem erfolglosen Abschluss der ersten Runde der Genfer Friedensgespräche ist dies jetzt die erste Vereinbarung zwischen Rebellen und Regierung, die - mehr schlecht als recht - umgesetzt wurde. Bislang besteht die Hoffnung, dass nach Homs auch Menschen in anderen Städten endlich dringend erwartete humanitäre Hilfe erhalten.

Dagegen gilt es als völlig ausgeschlossen, dass die Konfliktparteien sich nach Wiederaufnahme ihrer Friedensverhandlungen am Montag in Genf rasch auf ein Ende des Bürgerkriegs verständigen. Dieser hat nach Angaben von Aktivisten seit März 2011 mehr als 130 000 Menschen das Leben gekostet und Millionen weitere in die Flucht getrieben hat.

Bei dem humanitären Einsatz in Homs gingen die humanitären Helfer ein hohes Risiko ein. Ein Lastwagenfahrer wurde leicht verletzt. Fünf Zivilisten kamen bei der Verteilung der Hilfsgüter durch das Mörserfeuer ums Leben, wie Aktivisten berichteten. Beide Seiten beschuldigten einander, die Waffenruhe verletzt zu haben.

Die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos verurteilte den Beschuss vom Vortag. „Ich bin zutiefst enttäuscht, dass die humanitäre Waffenpause (...) gebrochen und humanitäre Helfer mit Absicht angegriffen wurden“, teilte Amos am Samstag am UN-Sitz in New York mit.

Wie der Rote Halbmond im Kurzmitteilungsdienst Twitter mitteilte, wurden am Samstag 250 Lebensmittelpakete und 190 Pakete mit Hygieneartikeln und Medikamenten ausgeliefert. Am Freitag, dem ersten Tag des humanitären Einsatzes, waren 80 Zivilisten - Frauen, Kinder und ältere Menschen - aus der Konfliktzone herausgebracht worden.

Nach dem Beschuss am Samstag setzten die Hilfsorganisationen den Einsatz zunächst aus. Am Sonntagnachmittag erreichte schließlich ein weiterer Hilfskonvoi die Altstadt von Homs, wie Augenzeugen berichteten.

Die erste Runde der Genfer Gespräche hatte Ende des Vormonats ohne greifbare Ergebnisse geendet. Die Opposition will vor allem die Einsetzung einer Übergangsregierung ohne die Beteiligung Assads erreichen. Für die Regime-Seite ist dies unannehmbar. „Wir möchten der Welt beweisen, dass wir es ernst meinen mit einer politischen Lösung“, sagte die Oppositionsdelegierte Rima Fleihan am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa in Genf. „Die Lösung ist das Ende eines Regimes, das sein eigenes Volk tötet, sein Land zerstört und sich wie eine Okkupationsmacht verhält“, fügte sie hinzu.

Die Gewalt in Syrien riss indes nicht ab. Nach Angaben der Syrischen Menschenrechtsbeobachter in London wurden am Sonntag in Aleppo durch den Abwurf sogenannter Fassbomben mindestens elf Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Bei der Explosion einer Autobombe starben in Deir as-Saur mindestens acht Menschen. Am Samstag waren nach diesen Angaben bei Kampfhandlungen, Bombardierungen und Anschlägen in ganz Syrien mehr als 200 Menschen getötet worden.

dpa

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