Extreme Pegelstände

Hochwasser bedroht jetzt auch Sachsen-Anhalt

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Das Hochwasser hat am Dienstag auch Sachsen-Anhalt erreicht.

Magdeburg - Das Hochwasser hält Zehntausende Menschen weiter in Atem. Während in Passau die Pegelstände fielen, schwoll die Donau in anderen Städten weiter an. Auch an der Elbe spitzte sich die Lage zu. Unterdessen werden Forderungen nach weiteren Investitionen in Flutschutz laut.

Die braunen Fluten überschwemmen weiterhin viele Orte in Süd- und Ostdeutschland. Die Flüsse verwandeln ganze Regionen in Seenplatten. Besonders stark betroffen war nach wie vor Passau mit dem schlimmsten Hochwasser seit einem halben Jahrtausend. Dort wollte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstagvormittag selbst ein Bild von der Lage machen. Anschließend wollte die Kanzlerin nach Pirna in Sachsen und Greiz in Thüringen weiterreisen, um sich auch dort über die Rettungsarbeiten zu informieren.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte im Vorfeld des Besuchs Merkels Geld vom Bund für den Hochwasserschutz. „Wir haben seitens der Staatsregierung gestern bereits angekündigt: Wir wollen noch mehr Geld dafür bereitstellen. Wir erwarten allerdings auch vom Bund ganz klar eine noch stärkere Unterstützung“, sagte er im Deutschlandfunk. Kritik am bisherigen Schutz wies er dennoch zurück: „Das System hat nicht versagt.“ Die derzeitige Situation sei völlig außergewöhnlich. „Wir haben schon sehr viel investiert, das war erfolgreich an vielen Stellen“, betonte Herrmann.

Bei ihrem Beusch sagte Merkel den Geschädigten 100 Millionen Euro Soforthilfe zu. Sie kündigte diese Summe am Dienstag als schnelle Unterstützung für sämtliche betroffenen Regionen in Deutschland an. Merkel sagte auch den Hochwasseropfern in Bayern schnelle finanzielle Hilfe zu. Unklar blieb aber zunächst, in welcher Höhe sich der Bund allein in Bayern beteiligt. Merkel sagte zunächst, der Bund stelle dort 50 Millionen Euro für Soforthilfe bereit, und weitere 50 Millionen Euro steuere der Freistaat Bayern bei. Seehofer verwies anschließend aber auf das Hilfspaket in Höhe von 150 Millionen Euro, das das bayerische Kabinett an diesem Mittwoch beschließen will. Daran werde sich der Bund zur Hälfte beteiligen, sagte er. Merkel sagte daraufhin: „Wenn Bayern heute kommt und mehr Geld braucht, lassen wir mit uns reden.“ Bei einem Hubschrauberflug hatte sich Merkel zuvor aus der Luft einen Überblick über die Lage in Bayern verschafft. Sie sei von der dramatischen Lage überrascht, sagte die Kanzlerin danach. „Wir haben gedacht, 2002 war die Lage schon exorbitant.“ Jetzt sei die Situation aber noch dramatischer als beim damaligen Hochwasser.Nach ihrer Visite in Bayern wollte sich die Kanzlerin auch über die Hochwasserlage und die Rettungsarbeiten in Ostdeutschland informieren. Auf dem Programm standen Besuche in Pirna in Sachsen und in Greiz in Thüringen.

In Passau stand das Wasser am Dienstag nach wie vor hoch in den Straßen, obwohl es langsam zurückging. Mit 11,80 Metern lag der Pegelstand der Donau am Morgen etwa einen Meter unter dem Höchststand. Doch für eine Entwarnung war es zu früh. Denn etwa 100 Kilometer weiter nördlich, in der Welterbestadt Regensburg, wurde in der Nacht zum Dienstag der Katastrophenfall ausgerufen.

Wie die Einsatzleitung berichtete, wurde eine Donauwelle mit einer Höhe von etwa 6,80 Meter in der Regensburger Altstadt erwartet - so hoch stand das Wasser seit mehr als 130 Jahren nicht mehr. Regensburg hatte in den vergangenen Jahren in mobile Schutzwände investiert, diebereits mehrfach ihre Funktionstüchtigkeit bewiesen haben. Die Flutwelle wird dann weiter flussabwärts nach Passau fließen.

Auch Sachsen-Anhalt erwartete im Laufe des Tages eine höhere Flutwelle als beim historischen Katastrophenhochwasser im Jahr 2002. Die Pegelstände vieler Flüsse stiegen unaufhörlich. Katastrophenalarm wurde auch in Magdeburg ausgerufen. Er galt zudem weiter in den Städten Halle, Dessau-Roßlau sowie im Kreis Anhalt-Bitterfeld und im Burgenlandkreis.

In Halle-Neustadt wurde in der Nacht zu Dienstag der für den Schutz einer Plattenbausiedlung wichtige Gimritzer Damm mit Sandsäcken verstärkt. „Die Lage dort sei jetzt stabil“, sagte ein Sprecher des Krisenstabs. Dennoch liefen wegen des hohen Grundwasserspiegels bereits Keller voll.

Die Behörden hoffen, dass die Flut weniger Schäden anrichtet als vor elf Jahren. Seither seien Deiche saniert und erneuert worden - die Situation sei nicht vergleichbar, hieß es. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) betonte, die Dämme seien nach aktuellen Erkenntnissen sicher.

In Sachsen blicken die Menschen ebenfalls besorgt auf die Elbe, die in der Nacht bedrohlich anschwoll. In Dresden wurde die erste Elbbrücke gesperrt. Ein Sprecher des Katastrophenstabs beruhigte jedoch: „Bilder wie 2002 von einer überschwemmten Dresdner Altstadt wird es aller Voraussicht nach nicht geben.“

In Pirna und Meißen floss das Hochwasser der Elbe in beide Altstädte. Wie eine Sprecherin des Krisenstabs in Meißen mitteilte, überspülten die Fluten eine Schutzwand. Der Wasserstand habe am Morgen bei knapp acht Metern gelegen - die Schutzwand misst nur 7,85 Meter.

In den oberbayerischen Hochwassergebieten beruhigte sich die Lage langsam. Die Hilfskräfte rüsteten sich nun dort für die anstehenden Aufräumarbeiten. Auch in den Thüringer Hochwassergebieten entspannte sich die Situation. Einen weiteren Lichtblick gab es: Der Deutsche Wetterdienst rechnet damit, dass der Regen in dem kommenden Tagen fast überall nachlässt.

Händel-Festspiele 2013 abgesagt

Die Händel-Festspiele 2013 in Halle fallen aus. Dies hätten Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) und Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) wegen der angespannten Hochwassersituation entschieden, teilte die Stadt am Dienstag mit. Die Festspiele sollten eigentlich vom 6. bis zum 16. Juni in Halle und Umgebung mit zahlreichen internationalen Stars stattfinden. Das Programm in der Geburtsstadt des Barockkomponisten Georg Friedrich Händel (1685-1759) war an mehr als 30 Orten geplant, es wurden rund 40.000 Besucher erwartet.

Seit dem Wochenende sind bereits zahlreiche Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt wegen des Hochwassers abgesagt worden. Auch das für Samstag an der Elbe in Magdeburg geplante Sommerfest des Sportvereins SC Magdeburg, der vor allem durch Handball bundesweit bekannt ist, wurde am Dienstag abgesagt.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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