Feuerwehreinsatz in Verden

Höhenretter holen Jungen von Funkturm

+
Foto. Hoch hinaus: Auf diesen Funkturm bei Kirchlinteln kletterten die drei.

Kirchlinteln - Drei junge Männer sind im Kreis Verden auf einen Funkturm geklettert. Die Feuerwehr hat sie in einer mehrstündigen Rettungsaktion wieder heruntergeholt. Nun sollen die Jugendlichen für die Kosten aufkommen.

Ein Rettungseinsatz der Feuerwehr im Kreis Verden dürfte zwei 17- und einen 18-Jährigen teuer zu stehen kommen. Die drei waren am Sonntagabend über eine Innenleiter auf einen 200 Meter hohen Funkturm nahe dem Kirchlintelner Ortsteil Weitzhausen geklettert. Um 18.45 Uhr habe ein Spaziergänger „Bewegung auf dem Turm“ in der Feldmark gemeldet, sagte Polizeisprecher Marcus Neumann am Montag. Obwohl kurz darauf ein Einsatzwagen beim Turm war, zog sich die komplizierte Rettungsaktion inklusive Abseilen bis 1.15 Uhr in der Nacht hin.

Zu ihrem Motiv haben sich die drei laut Polizei bisher nicht geäußert. „Vielleicht war es Langeweile, die Suche nach einem Adrenalinkick“, meinte der Sprecher. Ob sich der vor allem in Russland verbreitete „Trendsport Roofing“, bei dem sich junge Leute gegenseitig auf Dächern oder Türmen fotografieren, bis nach Kirchlinteln herumgesprochen habe, könne er nicht sagen. Inwieweit es bei der Kletteraktion der jungen Männer ums Fotografieren gegangen sei, sei „reine Spekulation“.

Der Aufwand, die drei zurück auf den Boden zu holen, war jedenfalls immens. Die versteckt oben auf einer Plattform sitzenden Jungen ließen stundenlang gar nichts von sich sehen und hören. Da in der Nähe drei Fahrräder und Jacken gefunden wurden, nahm die Polizei jedoch an, dass der Turm „besetzt“ war. Auf Durchsagen per Megafon kam keine Reaktion. Auch ein Polizeihubschrauber konnte nichts ausrichten. Erst Höhenrettungsexperten der Feuerwehr Hannover holten die drei, mit Seilen gesichert, herunter. Eine Stunde habe der Aufstieg die schmale senkrechte Treppe hinauf gedauert, berichtete Feuerwehrsprecher Andreas Hamann. „Der Abstieg dauerte 48 Minuten.“ Die Jungen seien „leicht unterkühlt“, aber sonst guter Dinge gewesen. Nun ermittelt die Polizei gegen sie wegen Hausfriedensbruch. Die Rettungskosten „im fünfstelligen Bereich“ sollen sie selbst tragen.

Einen derartigen Einsatz hatte es nach Angaben von Hamann in Niedersachsen noch nicht gegeben. Ebenfalls im Kreis Verden hatte sich zwar schon im September 2009 ein betrunkener Kletterer in Lebensgefahr gebracht. Der 22-Jährige war nach einer Wette aber „nur“ 40 Meter hoch auf einen Hochspannungsmast bei Dörverden geklettert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare