Zweiter Prozesstag

Hoeneß hinterzog sogar 27,2 Millionen Euro

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Foto: Ein weiterer Prozesstag im Fall Hoeneß.

München - Wie hoch ist die Steuerschuld von FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß? Die zuständige Steuerfahnderin sprach von insgesamt 23,7 Millionen Euro. Nach Angaben der Münchner Staatsanwaltschaft liegt sie sogar bei 27,2 Millionen Euro. Mehr denn je muss Hoeneß nun eine Gefängnisstrafe befürchten.

Im spektakulären Steuerprozess um Uli Hoeneß geht es um immer größere Summen. Der Präsident des FC Bayern München soll nach Angaben der Rosenheimer Steuerfahnderin vor dem Münchner Landgericht 23,7 Millionen Euro hinterzogen haben. Das sind noch einmal 5,2 Millionen mehr als die von ihm am Vortag eingeräumten 18,5 Millionen Euro. Dabei soll es sich um eine „Best-Case-Rechnung“ zu Gunsten von Hoeneß handeln, wie die Steuerfahnderin am Dienstag sagte.

Nach Angaben der Münchner Staatsanwaltschaft liegt die Schuld sogar bei 27,2 Millionen Euro. Zu den 23,7 Millionen Euro kommen demnach noch die 3,5 Millionen Euro aus der ursprünglichen Anklage gegen den Bayern-Präsidenten hinzu.

Schon mit seinem Geständnis zum Prozessauftakt hatten Hoeneß und seine Anwälte auch die Staatsanwaltschaft überrascht. Diese hatte dem 62-Jährigen in ihrer Anklage vorgeworfen, 3,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen zu haben. Nach den neuen Enthüllungen muss Hoeneß mehr denn je eine Gefängnisstrafe befürchten. Nach Ansicht der Steuerfahnderin sind die vorgelegten Unterlagen auch lückenhaft, zudem habe Hoeneß mehrere Fristen verstreichen lassen.

Bereits am 18. Januar 2013, also einen Tag nach Hoeneß' Selbstanzeige, erstellte die Schweizer Bank Vontobel vollständige Unterlagen zu den Devisen-Spekulationsgeschäften des FC-Bayern-Präsidenten. Die als Zeugin geladene Steuerfahnderin aus Rosenheim sagte aus, dass die Hoeneß-Verteidiger ihr erst am 27. Februar 2014 mehrere USB-Sticks mit Daten der Schweizer Finanzgeschäfte von Uli Hoeneß übergeben haben. Darauf waren rund 52.000 Blatt an Unterlagen im PDF-Format.

Laut Dateivermerk waren diese Unterlagen am 18. Januar 2013 erstellt worden. Sie lagen also bereits mehr als ein Jahr bei der Bank vor. Doch Hoeneß' Steuerberater vertröstete die Steuerbehörden das ganze Jahr 2013 immer wieder: Es dauere noch, bis die Bank Vontobel alle Unterlagen beibringen könne. Vontobel teilte mit, man äußere sich generell nicht zu Fragen, die mit dem Prozess zusammenhingen. Ein Experte bei einer anderen Privatbank sagte, es sei generell üblich, dass Banken die für ihre Kunden steuerlich relevante Daten elektronisch speicherten und zeitnah zur Verfügung stellen könnten.

Mit seinen Devisengeschäften machte Uli Hoeneß vor allem in den Anfangsjahren sagenhafte Gewinne. Aus den 20 Millionen D-Mark, die Hoeneß im Jahre 2001 vom früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus als Darlehen und Bürgschaft erhielt, machte er bis Ende 2005 mehr als 140 Millionen Euro - also einen Gewinn von 130 Millionen Euro oder 1300 Prozent auf den Ausgangs-Einsatz. Danach aber ging es rapide bergab. Die Jahre ab 2006 seien "sehr traurig", sagte selbst die sonst sehr sachliche Steuerfahnderin vor Gericht. "Ende 2010 war von den Gewinnen nicht mehr viel übrig." Aber immerhin so viel, dass Hoeneß Anfang 2013 die Steuer-Abschlagsumme von 10 Millionen Euro von seinem Schweizer Konto zahlen konnte.

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"Sehenden Auges", so die Verteidigung, habe Hoeneß vor Prozessbeginn die Unterlagen übergeben. Er wusste also, dass sie zu der am Montag erstmals genannten 15 Millionen Euro zusätzlichen Steuerschuld – statt der bislang eingeräumten 3,5 Millionen Euro – führen würden. Übergeben wurden allerdings ein ungeordneter Datenwust, laut Richter Rupert Heindl "allgemeinsprachlich ausgedrückt: ein großer Schuhkarten voller Daten".Hoeneß wirkt auch am zweiten Prozesstag angespannt, aber gefasst. Auch seine Ehefrau Susi sitzt wieder im Gericht. Morgen soll noch ein neuer Zeuge geladen werden: Der Betriebsprüfer, der die reguläre Steuerüberprüfung bei Hoeneß leitete. Ursprünglich hatte der Vorsitzende Richter Rupert Heindl geplant, schon am Donnerstag das Urteil zu verkünden. Dieser Zeitplan steht aber in Frage.

An einer Freiheitsstrafe für Hoeneß geht nach Ansicht von Steuergewerkschafts-Chef Thomas Eigenthaler kein Weg mehr vorbei. "Eine Freiheitsstrafe ist für mich absolut zwingend", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. "Ob sie jetzt noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann, daran habe ich ganz, ganz starke Zweifel." Jetzt werde man "erst mal aufdröseln müssen, wie die 18,5 Millionen überhaupt zustande gekommen sind", sagte Eigenthaler. "Ich bezweifle, ob man das in diesen Tagen bis Donnerstag überhaupt hinkriegt."

Der Jurist und FDP-Politiker Wolfgang Kubicki glaubt ebenfalls nicht an eine Bewährungsstrafe. "Die Zahl alleine, 18 Millionen Euro, ist so schwerwiegend, das mir der Glaube momentan fehlt, dass er eine Bewährungsstrafe erhalten kann", sagte der stellvertretende Parteivorsitzende der FDPam Montag im Deutschlandfunk. "Ich war erschüttert, als ich dieses hohe Ausmaß an Steuerhinterziehung vernahm", sagte Eigenthaler. "Was mich ebenso entsetzt, ist, dass Hoeneß offenbar Steuerfahndung und die Staatsanwaltschaft ein Jahr im Unklaren gelassen hat, ja geradezu an der Nase herumgeführt hat."

Am zweiten Verhandlungstag blieb vor dem Münchner Justizpalast der große Andrang vom Prozessauftakt zunächst aus. Es versammelten sich deutlich weniger Zuschauer vor dem Gerichtsgebäude.

Von Jan Sternberg (mit Material von dpa)

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