Kim Jong-Un gegen Satirefilm

Hollywood-Star wider Willen

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Foto: Spricht er mit Delfinen? Kim Jong-Un ist der (un-)heimliche Star vieler westlicher Satiriker.

Pjöngjang - Mit Hollywood hatten brutale Herrscher schon immer ihre Schwierigkeiten. Bereits 1940 soll Charlie Chaplin mit seiner Satire „Der große Diktator“ die Nazis zur Weißglut gebracht haben. In diesem Sommer ist es der „Oberste Führer“ Nordkoreas, der keinen Spaß versteht.

Kim Jong-un legt bei den Vereinten Nationen offiziell Beschwerde gegen die US-Komödie „The Interview“ ein. Der Streifen, der im Oktober in die Kinos kommt, sei eine „Kriegshandlung“ und eine „unverhohlene Unterstützung von Terrorismus“. In einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki-moon fordert der nordkoreanische Botschafter Ja Song-mam die amerikanische Regierung auf, das Filmprojekt zu stoppen. Andernfalls gebe es „gnadenlose Gegenreaktionen“. Doch so schnell wird – hoffentlich – nicht geschossen: Wer sich den Trailer mit den Schauspielern Seth Rogen und James Franco anschaut, erwartet eher schnellen, actionreichen und inhaltsarmen Klamauk als einen ernsthaften politischen Ansatz.

Die Handlung ist schnell erzählt: Der Geheimdienst CIA wirbt zwei US-Journalisten an, die während eines Interviews in Pjöngjang einen tödlichen Anschlag auf den südostasiatischen Diktator verüben sollen. Die beiden Reporter erweisen sich jedoch als alles andere als tauglich für einen Agentenjob. Ob es nur der ernste Hintergrund des Films ist, der die nordkoreanische Führung schäumen lässt, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Sicherlich dürfte dem Machthaber aber die Darstellung als übergewichtiger, Zigarren kauender Herrscher nicht gefallen. Als nicht besonders gelungen sieht das Regime offenbar auch die Scherze an, wonach der hochgepriesene Staatschef mit Delfinen sprechen kann und niemals auf die Toilette geht.

Ist die Komödie gar Teil einer anti-nordkoreanischen Kampagne? Erst vor einem Jahr kürte die Satirezeitung „The Onion“ den jungen Mann zum „Sexiest Man Alive“. Zu allem Unglück übernahm auch noch ein chinesisches Parteiorgan die Ehrung und veröffentlichte zahlreiche Fotos, die den stämmigen Mann in den unterschiedlichsten Posen zeigen.

Nun ist es nicht so, dass der relativ junge Politiker grundsätzlich mit dem westlichen Humor hadern würde. Vielleicht besitzt er nur einen etwas feineren Geschmack. So berichten britische Medien über Verhandlungen zwischen Pjöngjang und der BBC. Demnach ist die nordkoreanische Führung an den Filmrechten für die Teletubbies interessiert.

Zumindest die betroffenen Schauspieler sehen dem diplomatischen Streit gelassen entgegen. So schreibt Seth Rogen auf seinem Twitter-Account: „Solange die Leute den Eintrittspreis nicht gezahlt haben, wollen sie mich gewöhnlich nicht für einen meiner Filme umbringen.“

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