JVA Bremen

Hühner und Hängebauchschweine hinter Gittern

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Foto: 30 Hühner, 5 Hängebauchschweine, 3 Kamerunschafe, 2 Zwerghühner und eine Ziege Leben in der JVA Bremen.

Bremen - Neben Hunderten Straftätern sitzen im Bremer Gefängnis auch Hängebauchschweine und Hühner hinter Gittern. Die Arbeit im Tiergehege soll jugendliche Gefangene resozialisieren.

Behutsam zerbröselt Arman die Scheibe Weißbrot in kleine Brocken und hält sie der alten Ziege hin. „Die kriegt die Rinde nicht mehr runter, wegen der Zähne“, erklärt er. Gemächlich frisst ihm das 15 Jahre alte Tier aus der Hand. Lang wird die Ziege nicht mehr leben, doch bis dahin will der 20-Jährige sie füttern. „Ist besser als den ganzen Tag in der Zelle zu sitzen.“

Hinter den dicken Mauern der Justizvollzugsanstalt Bremen sind neben mehr als 600 Häftlingen auch 30 Hühner, 5 Hängebauchschweine, 3 Kamerunschafe, 2 Zwerghühner und die alte Ziege eingesperrt. Eine Handvoll jugendlicher Straftäter kümmert sich um den Streichelzoo im Knast. Jeden Tag füttern sie die Tiere, kehren den Mist weg, säubern den Schweinestall im Gefängnishof. Mit sechs Hühnern begann ein Wärter vor ein paar Jahren das spendenfinanzierte Projekt, für den die JVA bereits mit dem Bremer Tierschutzpreis ausgezeichnet wurde.

Nicht nur im Bremer Gefängnis geht es tierisch zu. Im bayerischen Ebrach gehen Straftäter der JVA jeden Sonntag mit Hunden spazieren. In der Jugendanstalt Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern züchten jugendliche Straftäter Wollschweine. Die Tierprojekte sollen die Gefangenen beschäftigen, bei der Resozialisierung helfen. „Die körperliche Arbeit tut den Jungen gut, und der Job bietet sich an, um Verantwortung zu erproben“, meint Gesa Lürßen, die den Jugendvollzug in Bremen leitet.

Insasse Manni hilft seit April im Gehege in Bremen aus. Der 23-Jährige verteilt gerade alte Wirsingblätter auf dem Boden, Überreste aus der Gefängniskantine. Nach wenigen Sekunden trotten die schwerfälligen Hängebauchschweine heran und widmen sich schmatzend dem Gemüse. „Das ist der beste Job hier, ich bin gerne draußen an der Luft“, sagt Manni. Er sitzt wegen Gewalttaten ein, schon zum zweiten Mal. „Ich hab draußen getrunken, mir eine Nase reingezogen - und dann ging's ab“, erzählt er knapp von einem Strudel aus Drogen und Gewalt. Bis zum Sommer 2015 muss er im Gefängnis bleiben.

„Der Stall hier ist doppelt so groß wie meine Zelle“

Wie er sitzen rund 30 Heranwachsende in der JVA Bremen eine Jugendstrafe ab, die meisten wegen Raub und räuberischer Erpressung. Sie können in einer Tischlerei arbeiten, auch eine Schlosserei und eine Bildhauerei gibt es hinter Gittern. Der Streichelzoo an der frischen Luft ist unter den Gefangenen besonders beliebt. Denn wer keinem Job nachgeht, bleibt fast den ganzen Tag in seiner acht Quadratmeter großen Zelle eingeschlossen. „Tisch, Stuhl, Waschbecken, Schrank, Bett, Toilette“, rattert Arman sein Zelleninventar herunter. Er steht gerade im Hühnerstall, vorsichtig zieht er die frisch gelegten Eier unter den schreckhaften Hennen hervor. „Der Stall hier ist doppelt so groß wie meine Zelle“, meint Arman.

Das Tiergehege in der JVA Bremen ist auch ein Flecken Freiheit im Knast. „Wenn ich wollte, könnte ich die Hälfte der Insassen jeden Tag mitnehmen“, sagt Janine Grabowsky, die das Bremer Projekt betreut. „Aber 20 Mann kann ich nicht beaufsichtigen.“ Die meisten Insassen hätten noch nie eine echte Ziege oder Kuh gesehen, meint Grabowsky. „Wenn einer nach den Hühnern tritt, ist er hier völlig falsch.“

Manni macht seinen Job. Der 23-Jährige hat früher als Gärtner gearbeitet. Neben dem Tiergehege pflanzt er in der kleinen Knast-Gärtnerei auch Zucchini, Kürbisse und Erdbeeren an und jätet Unkraut. Manni bekommt schon die zweite Lohnstufe, 10,30 Euro am Tag. Einen Teil davon darf er ausgeben, für Tabak, Süßigkeiten, den Besuch beim Friseur. Der Rest wird bis zum Tag der Freilassung für ihn aufgehoben. Dann will Manni seine Gärtnerausbildung abschließen. „Dort anfangen, wo ich aufgehört habe.“

dpa

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