Spendenaufruf für Besitzer

Hund hetzt 99 Schafe in den Tod

+
Schäfer Thomas Morische bittet nach dem tragischen Unglück um Spenden.

Hodenhagen - Der Schock sitzt immer noch tief: Ein streunender Hund hetzte 99 Heidschnucken in den Tod – und keiner kommt für den Schaden auf. Schäfer Thomas Morische ist in Not.

Der Schreck sitzt Thomas Morische noch in den Knochen. Die Bilder lassen den Schäfer nicht los. In der Nacht vom 26. auf den 27. Mai hetzte ein herumstreunender Hund am Deich in Hodenhagen (Heidekreis) 99 seiner Schafe in die Meiße – und damit in den Tod. Es waren Lämmer und Muttertiere der Graugehörnten Heidschnucke, einer aussterbenden, besonders wertvollen Rasse. Als der 39 Jahre alte Schäfer am Morgen seine Herde kontrollieren wollte, traf ihn fast der Schlag. „Das war ein furchtbarer Anblick: Die toten und sterbenden Tiere lagen an der Uferböschung oder schwammen im Wasser“, sagt Morische. Weitere Kadaver fischte die Feuerwehr aus der nahen Aller. „So was vergisst man nicht.“

Spendenkonto

Spendenkonto 50 38 500 der Gemeinde Hodenhagen bei der Kreissparkasse Walsrode (BLZ 251 523 75), Verwendungszweck: „Spende Deichschutz“

Anfangs hatte man an Wölfe gedacht, denn auf dem benachbarten Truppenübungsplatz sollen inzwischen sieben Exemplare der legendären Gattung durch die Heide streifen. Aber ein Wolfsexperte schloss diese Möglichkeit ausdrücklich aus – und wertete die vorgefundenen Kratzspuren als Spuren eines Hundes. Hinzu kommt, dass drei Zeugen unabhängig voneinander in der fraglichen Zeit einen dunkelbraunen Schäferhund in der Nähe gesehen haben. Doch bisher konnte dieser Hund nicht ermittelt werden – und somit kein Halter, der für den Schaden haftet. Wäre es ein Wolf gewesen, hätte der Schäfer aus Haßbergen im Kreis Nienburg 80 Prozent des Schadens vom Land ersetzt bekommen, das die Wiederansiedlung der Wolfe fördert. „Eine Versicherung, die für so was aufkommt, gibt es nicht“, sagt Morische. „Ich bekomme keinen Cent ersetzt.“ Nun ist der Schäfer, der insgesamt 600 Schafe auf Deichen und zur Landschaftspflege weiden lässt, in seiner Existenz bedroht. Denn der Verlust von rund 10 000 Euro reißt ein tiefes Loch in seine ohnehin nicht üppig gefüllte Kasse.

Antje Oldenburg aus Hodenhagens Nachbardorf Ahlden hat daher eine Spendenaktion initiiert, um Schäfer Morische zu helfen. „Nebenbei möchte ich auch das Bewusstsein dafür schärfen, dass man seine Hunde trotz Leinenzwangs in der Brut- und Setzzeit nicht einfach so frei ’rumlaufen lässt“, sagt die Englischlehrerin. Morische hat mit dem Problem nicht erst seit jener Mainacht zu tun. „Wir ärgern uns fast jeden Tag über Hundebesitzer, die ihre Lieblinge auf unsere Schafe zustürmen lassen“, sagt der Schäfer. „Der Leinenzwang wird doch praktisch ignoriert.“ Um seine Tiere vor künftigen Attacken zu schützen, will sich der Schäfer, der das hochwertige Fleisch der Tiere selbst vermarktet, jetzt zwei Herdenschutzhunde anschaffen. Doch die speziell ausgebildeten Vierbeiner sind nicht billig. Ein Hund kostet zwischen 800 und 1000 Euro. Die Spenden kann der Schäfer daher gut gebrauchen. Die Gemeinde Hodenhagen hat zu diesem Zweck ein Spendenkonto eingerichtet. „Der Schäfer verdient unsere Unterstützung“, sagt Ortsbürgermeister Karl-Gerhard Tamke. „Deichpflege ist schließlich auch Hochwasserschutz.“

Zahl der Halter geht zurück

In Niedersachsen gibt es nach aktuellen Zahlen etwa 11 400 Betriebe, die Schafe halten, darunter etwa 135 Höfe mit mehr als 250 Muttertieren. Insgesamt leben im Land rund 228 000 Schafe. Das war auch einmal anders. „Die Schafzucht ist in den vergangenen fünf Jahren deutlich zurückgegangen – fast um 25 Prozent“ sagt Mathias Brockob vom Landesschafzuchtverband Niedersachsen. Als Grund dafür nennt er Krankheitseinbrüche bei den Herden, zu strenge bürokratische EU-Regelungen, die einen hohen Arbeits- und Kostenaufwand bedeuten, sowie die allgemein schlechte Wirtschaftlichkeit der Schafzucht.Dennoch gibt es in Niedersachsen immer noch traditionelle Schäfer, allein in der Heide hüten 10 bis 15 von ihnen ihre Tiere. Auch an der Küste gibt es große Schafherden, die auf den Deichen in eingezäunten Bereichen „gekoppelt“ werden. hma

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare