Rechtsstreit um Tierhaltungsverbot

Hunde auf dem Herrenklo, Tierkadaver im Zwinger

Hattorf - Es ist ein unappetitlicher Fall, mit dem sich das Verwaltungsgericht Göttingen beschäftigen muss: Dort wird seit Donnerstag gegen ein Ehepaar verhandelt, das 700 Tiere in einem ehemaligen Hotel hielt – unter untragbaren hygienischen Verhältnissen.

Ein Schäferhund, der bereits seit vier Tagen tot im Zwinger lag, zwölf tote Meerschweinchen, sieben tote Welpen, ein angefressener Pferdekopf, jede Menge Kot, Dreck und Müll, dazu ein stechender Fäkalgeruch: Dieses schockierende Bild bot sich im Februar mehreren Mitarbeitern des Landkreises Osterode, als diese gemeinsam mit zwei Polizisten eine private Tierhaltung in Hattorf (Kreis Osterode) kontrollieren wollten. Bei der Überprüfung stellte sich heraus, dass ein Ehepaar auf dem Gelände eines ehemaligen Hotels mehr als drei Dutzend Hunde, fast 600 Meerschweinchen, 24 Kaninchen, eine Katze und eine Echse hielt. Weil die Tiere unter untragbaren hygienischen Verhältnissen gehalten wurden und auch nicht ausreichend ernährt waren, verhängte der Landkreis ein Tierhaltungs- und Betreuungsverbot. Das Ehepaar wollte dies nicht akzeptieren und klagte deshalb gegen die Behörde. Am Donnerstag beschäftigte sich nun das Verwaltungsgericht Göttingen mit dem unappetitlichen Fall.

Zuvor hatte das Ehepaar einstweiligen Rechtsschutz und Prozesskostenhilfe beantragt und war bis vor das Oberverwaltungsgericht Lüneburg gezogen, in allen Fällen ohne Erfolg. Zu Beginn der Verhandlung im Hauptsacheverfahren fragte die Richterin, ob die Eheleute ihre Klagen nicht lieber zurückziehen wollten, da sie voraussichtlich keinen Erfolg haben würden und dann die Verfahrenskosten zu tragen hätten. Die Kläger beharrten aber darauf, ihre Sicht der Dinge darzustellen.

Der tot aufgefundene Schäferhund sei keineswegs verhungert gewesen, sagte der Tierbesitzer. Schließlich habe der Hund vor seinem Tod noch 30 Kilo von einem Pferdekopf gefressen, den er sich von einem Metzger besorgt habe. Dass es gar nicht erlaubt ist, Tierkadaver zu verfüttern, habe er nicht gewusst. Überhaupt habe die Veterinärmedizinerin des Landkreises, die die Zustände auch mit Fotos dokumentiert hatte, ein völlig einseitiges Bild der Lage gezeigt.

Dem Behördenbericht zufolge befanden sich alle Hunde in einem mäßigen bis schlechten Pflege- und Ernährungszustand, einige Tiere hatten offene Stellen und Ekzeme. Eine Hündin wurde mit fünf Welpen in dem verunreinigten Herren-WC der ehemaligen Gastronomie vorgefunden. Die fast 600 Meerschweinchen waren überwiegend nicht eingestreut und saßen in ihrem Kot, zwischendrin lag ein Dutzend toter Tiere herum. Nach Angaben der Tierhalter wurden die toten Meerschweine an die Hunde verfüttert. „Dass das alles keine artgerechte Haltung ist, liegt auf der Hand“, sagte die Richterin.

Der Landkreis Osterode hatte damals die Auflösung des Tierbestandes angeordnet. Später verhängte die Behörde ein Zwangsgeld von 15.000 Euro, weil das Ehepaar entgegen der Anordnung keine Nachweise darüber vorlegte, wo ein Großteil der Tiere hingekommen war. Inzwischen habe man vom Amtsgericht die Mitteilung erhalten, dass die Eheleute den Offenbarungseid abgelegt hätten, sagte Erster Kreisrat Gero Geißlreiter. Da somit kein Zwangsgeld eingetrieben werden könne, werde man jetzt beantragen, das Ehepaar in Zwangshaft zu nehmen.

pid

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