Krimi um US-Millionär

„Ich habe sie alle umgebracht“

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Robert Durst im November 2003: Der Millionär soll drei Menschen ermordet haben.

New York - Es könnte die Story für einen Film sein: Ein US-Millionär tötet drei Menschen, entkommt der Justiz und verrät sich im Selbstgespräch auf der Toilette. Aber war alles wirklich so?

New York. Im entscheidenden Moment ist Robert Durst nicht zu sehen, nur zu hören. Nach einem Interview für eine Dokumentarserie bleibt das Ansteckmikrofon des US-Millionärs unbemerkterweise angeschaltet, während er zur Toilette geht. Zwischen Wasserrauschen und Papierzerknüllen spricht er mit sich selbst. „Nun ist es so weit. Sie haben dich. Was für ein Desaster“, murmelt der 71-Jährige sich zu. „Was zur Hölle habe ich getan? Na klar - ich habe sie alle umgebracht.“

Dieser dahingemurmelte Satz ist als Teil der Dokumentarserie „The Jinx: The Life and Deaths of Robert Durst“ nun beim TV-Sender HBO ausgestrahlt worden - und lässt Amerika den Atem anhalten. Als „angsteinjagend, herzzerreißend und bemerkenswert“ bezeichnet die „New York Times“ die Dokumentarserie - und genau das trifft wohl auch auf die Realität zu. Hat der exzentrische Multimillionär Durst da etwa wirklich gerade drei Morde gestanden, für die er schon seit Jahren verdächtigt, aber nie verurteilt wurde?

Die US-Justiz reagierte jedenfalls sofort und nahm Durst kurz vor der Ausstrahlung der entscheidenden Szene fest. Der 71-Jährige hatte da gerade unter falschem Namen in ein Hotel in New Orleans eingecheckt - seit Jahren ist er auf der Flucht vor den Justizbehörden. Zum Teil soll er sich dabei sogar als taube Frau verkleidet haben.

Sein Mandant werde vor Gericht erneut seine Unschuld beteuern, kündigte Dursts Anwalt Dick DeGuerin sofort nach der Festnahme an. Aber die Zweifel an Dursts Unschuld wachsen - und mit seinen Aussagen in der Dokumentarserie könnte er sich nun wohl endgültig selbst hinter Gitter gebracht haben, auch wenn Justizexperten noch darüber streiten, ob sie vor Gericht verwendbar wären.

Mit drei Morden wird Durst in Verbindung gebracht: 1982 verschwand seine Ehefrau Kathleen McCormack spurlos im US-Bundesstaat Vermont. Die Polizei geht davon aus, dass sie tot ist. 2000 wurde Dursts enge Freundin Susan Berman ermordet in ihrem Haus in Kalifornien entdeckt. 2001 wurden Leichenteile von Morris Black gefunden, einem damaligen Nachbarn von Durst in Texas. In allen drei Fällen wurde Durst verdächtigt und befragt, im Fall von Blacks Ermordung kam er auch vor Gericht, wurde aber freigesprochen.

„Jetzt werden wir bald endlich Klarheit haben“, sagte Kathleens Bruder James McCormack. „Das spüre ich.“ Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles teilte mit, Durst werde nun wegen Mordes angeklagt - zunächst einmal nur im Fall von Susan Berman. Bei einer Verurteilung könnte ihm sogar die Todesstrafe drohen.

Die Geschichte von Durst ist gruselig, aber sie ist auch tragisch: Als ältester Sohn einer New Yorker Immobilien-Dynastie, der unzählige Luxuswohnungen und Büro-Wolkenkratzer in Manhattan gehören, war ihm ein Leben in Reichtum gewiss. Doch er hatte kein Glück: Seine Mutter starb, als er sieben Jahre alt war. Mit seinem Bruder Douglas stritt er sich ständig - und der Konflikt eskalierte, als der Vater Douglas dem älteren und eigentlich als Nachfolger an der Spitze des Familienimperiums vorgesehenen Robert vorzog. Inzwischen sprechen die Brüder überhaupt nicht mehr miteinander. Er sei sich sicher, dass Robert schuldig sei, sagte Douglas Durst der „New York Times“ - und er habe Angst vor ihm. „Ich habe überhaupt keinen Zweifel daran, dass - wenn er die Möglichkeit dazu hätte - er mich umbringen würde.“

Von Christina Horsten/dpa

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