HAZ-Interview mit Bettina Wulff

„Ich wollte eine Grenze markieren“

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Bettina Wulff war zu Gast bei der HAZ.

Hannover - Bettina Wulff will ein neues Leben beginnen – und hat deshalb ihr Buch geschrieben. Im Interview mit HAZ-Redakteur Dirk Schmaler spricht die ehemalige First Lady über PR-Arbeit, Gerüchte und ihre Zukunft in Hannover und Großburgwedel.

Frau Wulff, aus Sicht der PR-Expertin: Wie war Ihre Woche?

Ich bin froh, dass das Buch herausgekommen ist. Ich finde, es ist gut und authentisch geworden. Parallel dazu haben uns natürlich auch meine beiden Klagen gegen Günther Jauch und Google beschäftigt.

Wie kam es zu dieser zeitlichen Parallelität? Oder dienten die prominenten Klagen wegen Rufschädigung eher der Verkaufsförderung für das Buch?

Das ist kein PR-Gag, wie es mir nun unterstellt wird. Wir gehen seit Februar juristisch erfolgreich gegen die verleumderischen Berichterstattungen vor. Weit über 30 strafbewehrte Unterlassungserklärungen wurden abgegeben. Im Buch beschreibe ich die verheerende Wirkung, die die Jauch-Talkshow und die Suchmaschine Google haben. Deshalb war klar, dass wir weitere Schritte vor Gericht gehen. Mir stellt sich eher die Frage, warum Herr Jauch erst jetzt die Unterlassungserklärung abgegeben hat und sich bisher geweigert hatte?

Warum haben Sie das Buch überhaupt geschrieben?

Es ging mir um zwei Dinge. Zum einen wollte ich erzählen, wie sich das Leben verändert, wenn man plötzlich als Familie nach Berlin zieht und die Frau des Bundespräsidenten ist. Zum anderen wollte ich einige Sachen klarstellen, die seit Jahren um mich und meine Familie herumwabern.

Es geht um Getuschel über eine angebliche Rotlichtvergangenheit. Wurden Sie darauf eigentlich auch persönlich mal angesprochen?

Wir haben das all die Jahre sehr bewusst wahrgenommen. Schon in der Zeit als Ministerpräsident in Niedersachsen wurden die Gerüchte immer wieder an meinen Mann und mich herangetragen.

Welche Rolle spielt dabei die CDU in Niedersachsen? Manche sagen, in der Landesregierung liege der Ursprung der Gerüchte.

Zu den Überlegungen, wo diese Gerüchte ihren Ursprung haben, will ich nichts sagen. Mein Mann und ich haben uns jahrelang den Kopf zerbrochen, wie so etwas entstehen kann. Es ist wohl das Wesen eines Gerüchts, dass man es nicht auf seinen Ursprung zurückverfolgen kann.

Eigentlich war es doch nach dem Rücktritt Christian Wulffs als Bundespräsident im Februar etwas ruhiger um Sie geworden. Seit der Buchveröffentlichung sprechen wieder alle über Sie und Ihr Privatleben. Sogar Ihre Ehe wird nun zum Thema. Warum tun Sie sich das an?

Ich wollte mit dem Buch eine Grenze markieren. Doch wie man in diesen Tagen wieder sieht, gibt es bei der Berichterstattung überhaupt keine Grenzen mehr. Spätestens wenn Zitate mit willkürlich zusammengesetzten Sätzen aus dem Buch als unautorisierte Vorabmeldungen veröffentlicht werden. Ich habe im Buch beschrieben, welche Auswirkungen eine derart massive, grenzenlose Berichterstattung über Monate auch auf das Familienleben hat und dass so eine Phase nicht spurlos an einem vorbeigeht.

In Ihrem Buch und in den Interviews der vergangenen Tage haben Sie aber auch wenig getan, um Ihre Intimsphäre aufrechtzuerhalten. Im Gegenteil: Sie machen Privates, wie etwa Ihre Eheprobleme, öffentlich.

Ich wollte ein authentisches, ehrliches Buch schreiben. Dazu gehört auch, dass das, was wir in Berlin in den vergangenen Jahren erlebt haben, nicht einfach an uns abgeprallt ist. Wir standen unter enormem Druck und unter medialer Dauerbeobachtung. Jeder erlaubte sich ein Urteil über alles, was wir taten. Das schlägt sich irgendwann auch auf eine Beziehung nieder. Das habe ich beschrieben. Das geht dem Ehepaar Meier oder Müller nicht anders. Alles andere wäre doch merkwürdig.

Was sagt Ihr Mann über Ihre Beschwerden?

Ich habe mich nicht über ihn beschwert, ich habe einfach beschrieben, wie es sich anfühlte. Mein Mann hat immer mal wieder Teile des Buches gelesen, wenn sie fertig waren. Das Buch zu schreiben, war allerdings meine eigene Entscheidung.

Er war also nicht begeistert?

Er fand den Zeitpunkt nicht glücklich und war überrascht, dass ich das Buch jetzt so schnell schreiben möchte. Aber für ihn ist es selbstverständlich, dass ich meine Meinung wann immer und wie immer äußere. Dafür bin ich ihm dankbar. Es ist ja auch keine Abrechnung mit der Zeit im Schloss Bellevue. Im Gegenteil. Es gab viele schöne Momente als First Lady.

Woran denken Sie besonders gern zurück?

Das waren die Nachmittage, an denen ich Kinder von Familien, die sich im Sommer keinen Urlaub leisten konnten, ins Schloss eingeladen habe. Wir haben einen Kinderzirkus für Straßenkinder aus St. Petersburg in den Schlosspark geholt, wir haben Fußball gespielt und gepicknickt. Ich glaube, so viel Leben hat es auf diesem Rasen noch nicht gegeben.

Ihr Mann, gegen den noch ermittelt wird, hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Sie hingegen starten durch – mit einer neuen PR-Firma, mit dem Buch. Warum diese Ungleichzeitigkeit?

So wie ich meinen Mann in den vergangenen Jahren immer unterstützt habe in seinem Amt, so ist es jetzt so, dass ich mich beruflich weiterentwickeln möchte. Ich finde, in einer modernen Beziehung ist es nicht ungewöhnlich, dass sich das immer mal wieder verschiebt. Wenn eines Tages mal eine Frau Bundespräsidentin ist, werde ich gespannt verfolgen, wie dann der Ehemann seine Rolle sieht und ob er beruflich zurücksteckt.

Wie sieht die Zukunft aus? Fühlen Sie sich weiterhin wohl in Hannover und Großburgwedel?

Hannover und Großburgwedel sind meine Heimat. Wir leben hier gerne, haben hier unsere Familie, haben hier unsere Freunde. Wir können den schönen Kirchturm mit seinen Schieferplatten aus dem Fenster sehen. Und die Kinder sind froh, wieder in Großburgwedel zur Schule zu gehen. Ja, wir fühlen uns wohl.

Aber ist dieses berühmte Haus in Burgwedel, dessen Finanzierung so viele Schlagzeilen machte und das eines Nachts im Scheinwerfer von Fernsehteams von der Staatsanwaltschaft durchsucht wurde, nicht mittlerweile gleichsam verflucht?

Es ist schon alles sehr heftig, aber ich kann Sie beruhigen. Über irgendwelche Flüche denke ich wirklich nicht nach. Das ist einfach unser Zuhause.

Bettina Wulff wurde 1973 in Hannover geboren. 2006 lernte sie den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten und späteren Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU) kennen. Seit 2008 ist sie mit ihm verheiratet. Das Paar hat einen Sohn, Linus. Ihren Sohn Leander aus einer früheren Beziehung brachte Bettina Wulff mit in die Ehe. Nach Stationen bei Continental und Rossmann führt die PR-Fachfrau eine eigene PR-Agentur. Ihr Buch „Jenseits des Protokolls“ erschien jetzt im Riva-Verlag.

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