Profanierungen

Immer mehr Kirchen in Niedersachsen müssen geschlossen werden

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Gründe für die Schließungen der Kirche sind schlechte Bausubstanz der Gebäude, der Rückgang der Gläubigen sowie Priester- und Pastorenmangel.

Hannover/Bremen - Priestermangel, weniger Gläubige oder schlechte Bausubstanz - die Kirchen im Norden müssen immer häufiger Gotteshäuser schließen. In den Gemeinden gibt es deswegen durchaus mal Tränen oder Proteste.

Die Landeskirchen in Niedersachsen und Bremen müssen immer öfter Kirchen schließen. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei der evangelischen Landeskirche und den katholischen Regionaldekanaten Hannover und Bremen sowie dem Bistum Hildesheim. „Seit 2003 hat das Bistum Hildesheim rund 40 Kirchen geschlossen“, sagte Sprecher Michael Lukas. In der evangelischen Landeskirche in Niedersachsen mussten zwölf Kirchen seit 2002 aufgegeben werden. Das katholische Regionaldekanat Hannover verzeichnet neun Schließungen in den vergangenen Jahren.

Als Gründe geben die Kirchen die oftmals schlechte Bausubstanz der Gebäude, den Rückgang der Gläubigen sowie Priester- und Pastorenmangel an. „Wir mussten viel konzentrieren, um größere, lebensfähigere Gemeinden zu bilden“, sagte Lukas. Von den Schließungen sind vor allem die evangelischen Kirchen in Hannover betroffen. Diese lägen oftmals in Stadtteilen, deren Struktur sich in den vergangenen Jahrzehnten häufig stark gewandelt habe, sagte Sprecher Johannes Neukirch. 2012 seien es allein drei Häuser gewesen.

In Bremen mussten die Protestanten bislang noch keine Kirchen dicht machen. Einige wurden jedoch umgewandelt, etwa in Jugendkirchen. Der katholische Gemeindeverband in der Hansestadt musste seit 1994 fünf Kapellen und Kirchen profanieren - also verweltlichen. „Wir versuchen möglichst gemeinsam eine neue Perspektive zu suchen und die Gemeinden einzubeziehen“, sagte Sprecherin Martina Höhns. Denn in den Gemeinden gebe es durchaus Proteste gegen die Schließungen.

Protest kennt Lukas vom Bistum Hildesheim nicht. „Aber natürlich schmerzt jede Profanierung. Da fließen auch Tränen.“ Deshalb gebe es klare Regeln, was mit Kirchen passieren soll, die zwar aufgegeben, aber nicht abgerissen werden. „Eine unwürdige Nachnutzung sollte auf jeden Fall verhindert werden“, sagte Höhns. Discos oder Bars in ehemaligen Gotteshäusern seien im Norden zum Beispiel tabu.

„Wir begrüßen es, wenn profanierte Kirchen von anderen Religionsgemeinschaften aus dem christlich-jüdischen Bereich übernommen werden“, sagte Lukas. „Sollte eine ehemalige Kirche jedoch zu einer Moschee werden, würden die Gefühle unserer Gläubigen darunter leiden, weshalb wir eine solche Nachnutzung auch ausschließen.“ Ähnlich sieht es die evangelische Landeskirche.

dpa

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