Investor verlost Wohnung

Ein Jahr kostenfrei in Berlin wohnen

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Berlin - Manchmal, ganz selten, gibt es auch gute Nachrichten vom Berliner Wohnungsmarkt. Wie diese: Ein norwegischer Immobilienbesitzer verschenkt ein Jahr mietfreies Wohnen. Drei Zimmer, Küche, Wannenbad – spektakulärer Ausblick.

Nun gut, es ist nur der erste Stock und vorne liegt ein vierspuriger Kreisverkehr, aber wer kann schon noch kleinlich sein bei einer Wohnungssuche in der Hauptstadt. Und immerhin handelt es sich bei dem Bau um eine Ikone der frühen DDR: Am Strausberger Platz beginnt die vom Architekten Hermann Henselmann entworfene sozialistische Prachtstraße Karl-Marx-Allee, ursprünglich Stalinallee. Später zog Henselmann in einen der Türme am Platz. Wer aber als normaler Arbeiter in den Fünfzigerjahren eine Neubauwohnung ergattern wollte in der zerbombten Hauptstadt der DDR, musste schwitzen: Für 300 Arbeitsstunden an der Baustelle der Stalinallee.

Heute gehört ein Teil des sozialistischen Boulevards Einar Skjerven: Der Norweger kauft seit 2006 Wohnungen in Berlin. Er schlägt nicht wahllos zu wie viele andere ausländische Kapitalanleger, sondern schaut sehr genau auf das einzelne Haus. Der Strausberger Platz, sagt er, war noch vor Kurzem eine tote Ecke. Dennoch schlug er sofort zu, als zwei Wohnblöcke am Platz auf dem Markt waren. „Es war, als hätte mir jemand angeboten, ein Stück der Champs-Élysées zu kaufen“, sagt der Norweger. „Da kann man nicht Nein sagen.“ Doch während das andere Ende der Karl-Marx-Allee inzwischen blüht, ist der Strausberger Platz nach wie vor von monumentaler Ödnis gezeichnet – trotz der „ausdrucksstarken Architektur, die es so nur einmal auf der Welt gibt“, wie Skjerven schwärmt.

Also knüpft der Vermieter ans historische Vorbild an – er veranstaltet eine Lotterie. Gefordert ist ein besonders kreativer Essay. Es muss erkennbar sein, dass der Bewerber sich mit der Bedeutung der Karl-Marx-Allee auseinandergesetzt hat. Der oder die Glückliche soll dann ein Jahr lang den „Eastern Blog from the Eastern Bloc“ schreiben. Stoff gibt es genug: Man könnte aus dem Fernster auf den Kreisverkehr gucken, um die Ecke ins Café Moskau oder ins Premierenkino International gehen oder nach Erinnerungsspuren des Arbeiteraufstands vom 17. Juni 1953 suchen, der am Strausberger Platz seinen Ausgang nahm. Aber ist eine Lotterie am heißlaufenden Berliner Wohnungsmarkt nicht ein zynischer Vorschlag? Wer zurzeit in der Hauptstadt eine neue Butze sucht, hat ohnehin das Gefühl, an einem Lotteriespiel teilzunehmen. 42 000 Menschen zogen 2013 in die Hauptstadt, nur 6600 Wohnungen wurden neu gebaut. „Ich weiß aus Erfahrung, dass es in den begehrten Stadtteilen in Berlin mittlerweile schwer ist, eine Wohnung zu finden“, räumt Skjerven ein, der vor drei Jahren mit seiner Familie in die Stadt zog – allerdings in den feinen Westen.

Bewerbungen bis 23. März unter http://lottery.centralberlin.de.

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