FRA-Studie

Jede dritte Frau ist Opfer von Gewalt

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Foto: Die höchste Gewaltrate meldeten Frauen der Studie zufolge in den drei nordischen Ländern Dänemark (52 Prozent), Finnland (47 Prozent) und Schweden (46 Prozent).

Wien - In der Europäischen Union gibt es erschreckend viele Gewaltopfer. Einer neuen Studie zufolge hat jede dritte Frau in der EU schon körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Das sind etwa 62 Millionen betroffene Frauen. Fünf Prozent davon sind vergewaltigt worden, wie die EU-Grundrechte-Agentur (FRA) berichtete.

Oft lauert die Gefahr für Frauen in den eigenen vier Wänden: 22 Prozent aller Befragten gaben an, körperliche oder sexuelle Gewalt durch den eigenen Partner erfahren zu haben.

Zu körperlicher Gewalt zählt die Studie unter anderem, wenn Frauen geschlagen, an den Haaren gezogen, geschubst oder mit harten Objekten attackiert werden. Sexuelle Gewalt bedeute Vergewaltigung oder versuchte Vergewaltigung. Oft werden diese Übergriffe in Beziehungen der Studie zufolge zum Alltag. Auch Schwangere würden dann nur selten verschont. Gegen ihre Peiniger vorzugehen wagen die wenigsten. Viele gehen nicht zur Polizei, weil sie sich schämen oder peinlich berührt sind. Vergewaltigungen durch Fremde, wobei dabei oftmals mehrere Männer beteiligt sind, werden dagegen laut der Studie schneller angezeigt.

Die höchste Gewaltrate meldeten Frauen der Studie zufolge in den drei nordischen Ländern Dänemark (52 Prozent), Finnland (47 Prozent) und Schweden (46 Prozent). In Polen, Österreich und Kroatien gibt es mit jeweils rund 20 Prozent demnach vergleichsweise am wenigsten Gewalt. Deutschland liegt mit 35 Prozent etwas über dem EU-Schnitt (33 Prozent). Die Zahlen sollen laut den Studienautoren aber nicht zu voreiligen Schlussfolgerungen führen. Angaben zu Übergriffen und die tatsächlich ausgeübte Gewalt stimmten nicht immer überein. Kulturelle Unterschiede im Umgang mit Gewalt hätten einen Einfluss darauf, wie offen Frauen dieses Thema ansprechen.

Insgesamt gaben zwischen 83 und 102 Millionen Frauen an, sexuell bereits belästigt worden zu sein. Das sind zwischen 45 und 55 Prozent aller Frauen in der EU ab 15 Jahren. Der Zahlenunterschied ergibt sich, weil es bei den Befragten unterschiedliche Ansichten gab, ob etwa Annäherungsversuche durch Männer, sexistische Witze oder ungewollte Nacktfotos per SMS bereits zu einer sexuellen Belästigung zählen.

„Frauen sind nicht sicher auf den Straßen, am Arbeitsplatz und schlussendlich auch nicht zu Hause“, sagte FRA-Direktor Morten Kjaerum. Insgesamt wurden 42 000 Frauen in den 28 EU-Ländern im Alter zwischen 18 und 74 Jahren 2012 in persönlichen Gesprächen befragt. Vergleichbare Studien zu der Thematik gab es laut FRA in der EU bisher nicht, die Studie sei die bisher weltweit größte.

dpa

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