App gegen Falschparker

Jeder kann jetzt Politesse sein

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Foto: Ob durch die App „Wegeheld“ jetzt mehr Knöllchen verteilt werden?

Hannover - Rundumüberwachung im öffentlichen Raum: Mit der neuen App „Wegeheld“ können Hobby-Hilfssheriffs Falschparker direkt beim Ordnungsamt anschwärzen.

Von Horst-Werner Nilges alias Knöllchen-Horst ist folgender Satz überliefert: „Ich sitze nicht am Stammtisch und palavere über Probleme. Ich sitze am Schreibtisch und bearbeite sie.“ Zehntausende Falschparker hat der Rentner aus Osterode in den zurückliegenden zehn Jahren angezeigt. Und man darf annehmen, dass Nilges bei aller Überzeugung von der Notwendigkeit seines Tuns die anfallenden Papier- und Portokosten gelegentlich verflucht hat.

Nilges und all die anderen bundesweit aktiven Hobby-Hilfssheriffs können Block und Kugelschreiber bei künftigen Rundgängen daheim lassen. Sie brauchen nur die neue App mit Namen „Wegeheld“ auf ihr Smartphone zu laden. Das Miniprogramm verhilft den Parkplatzpetzen zu professionellem Niveau: Sie fotografieren das Auto des Übeltäters und laden das Bild auf eine interaktive Karte hoch. Damit der Autofahrer das auch mitbekommt, heftet der „Wegeheld“ ein zuvor ausgedrucktes Kärtchen an die Windschutzscheibe – samt Webadresse und dem Spruch: „Ich bin hier, weil Sie schlecht stehen – Ihr Auto ist jetzt berühmt.“

Alternativ können die App-Nutzer den Vorfall auch direkt ans Ordnungsamt mailen. Die Internetadressen der Ordnungsämter von Deutschlands 100 größten Städten liefert Heinrich Strößenreuther, der Initiator der App, gleich mit. Jeder kann an der Rundumüberwachung des öffentlichen Raums mitwirken – im Dienste von Recht und Ordnung, versteht sich. Diese Botschaft vermittelt das seit wenigen Tagen verfügbare Programm. Dennoch will der Wirtschaftsinformatiker Strößenreuther seine App nicht als Aufruf zum

Denunziantentum verstanden wissen: „In Großstädten herrscht oft Parkplatznot, so sind in Hamburg und Berlin die Falschparkerzahlen im vergangenen Jahr um 30 Prozent gestiegen – Leidtragende sind da Menschen mit Rollator oder Kinderwagen und Rollstuhlfahrer.“ In den neunziger Jahren war Strößenreuther Mitglied der Enquete-Kommission des Bundestags für Umweltethik, später brachte er im Auftrag der Deutschen Bahn Lokführern energiesparendes Fahren bei, und für Greenpeace organisierte er Kampagnen zur Einführung von Energiesteuern. Ausgerechnet der Weltverbesserer Strößenreuther bringt jetzt diese Anschwärz-App auf den Markt – wie passt das zusammen?

„Wir regen Verhaltensänderungen an“, sagt Strößenreuther in mildem Pädagogenton. „Ich seh’ den Autofahrer vor mir, der sich aufregt, weil er im Internet steht – er wird sich bei Freunden darüber auslassen, und da wird es mindestens einen geben, der sagt: ,Falschparken ist nun mal nicht okay‘“, sagt Strößenreuther. „So findet Lernen statt.“

Ursprünglich sollte die „Wegeheld“-App „Straßensheriff“ heißen. Das klang dann aber wohl doch zu sehr nach Wildwest statt nach Waldorf.

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