Inklusions-Debatte

Jeder zweite Förderschüler besucht Regelschule

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Mehr als die Hälfte der Kinder mit Handicap geht in Niedersachsen mittlerweile nicht mehr auf eine Förder-, sondern auf eine Regelschule.

Hannover - Mehr als die Hälfte der Kinder mit Handicap geht in Niedersachsen mittlerweile nicht mehr auf eine Förder-, sondern auf eine Regelschule. Gegenüber dem Vorjahr ist die Quote um knapp acht Prozent gestiegen. Vor zwei Jahren war der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung im Land gestartet.

Die Inklusionsquote liegt nach Angaben des Kultusministeriums in diesem Schuljahr bei 52,5 Prozent.. Von den knapp 16.100 Schülern, in den Jahrgängen eins, zwei, fünf und sechs, bei denen sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf festgestellt worden ist, besuchen 8447 eine Regelschule.Gegenüber dem Vorjahr ist die Quote deutlich gestiegen. Damals waren es 44,9 Prozent: „Das zeigt, dass die Eltern ihren Rechtsanspruch deutlich wahrnehmen“, sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Montagabend in Hannover. „Das ist ein klares Zeichen für die Inklusion.“

Vor zwei Jahren war der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung im Land gestartet. Derzeit haben alle Eltern, die ein Kind mit Handicap in den genannten Klassen haben, einen Rechtsanspruch, es auf einer Regelschule anzumelden. Da die Kommunen und Landkreise nicht alle Schulen zeitgleich barrierefrei, also mit Fahrstühlen und Rampen, ausstatten können, ist es möglich, dass bis 2018 sogenannte Schwerpunktschulen für Inklusion benannt werden können. Diese Frist soll mit dem neuen Schulgesetz in Ausnahmefällen bis 2024 verlängert werden.

Knapp die Hälfte der Kinder mit Förderdarf, die auf eine Regelschule gehen, besucht eine Grundschule. Rund 1600 Kinder gehen auf eine Oberschule, rund 1100 zur Integrierten Gesamtschule, rund 900 der Förderschüler besuchen eine Hauptschule, ihr Anteil an den Realschulen (242 Kinder) und an den Gymnasien (204) ist vergleichsweise gering. Die meisten der Kinder an Regelschulen, bei denen ein Förderbedarf festgestellt worden ist, haben eine Lernschwäche (rund 3600 Schüler), die zweitgrößte Gruppe sind Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten (1700), gefolgt von Kindern mit Sprachproblemen (1250).

Heiligenstadt sprach vom „sanften Weg der Inklusion“. Die Förderschulen für lernschwache Kinder werden schrittweise aufgelöst, die Sprachförderschulen haben nach massiven Protesten von Eltern im neuen Schulgesetz einen Bestandsschutz erhalten. Die Förderschulen für verhaltensauffällige Kinder sollen als sogenannte Durchgangsschulen, in denen man übergangsweise eine Auszeit von der Regelschule nimmt, erhalten bleiben. Bestehen bleiben auch die Spezialschulen für bestimmte Körperbehinderungen, etwa für blinde oder taubstumme Kinder. Den Satz „Auf diese Schule gehörst du nicht“ wolle sie in Niedersachsen nie mehr hören, sagte die Ministerin. Inklusion sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht nur Kindergärten und Schulen betreffe, auch im Beruf gelte das Recht auf Teilhabe.

160 Sonderpädagogen hat das Land jüngst eingestellt, 40 davon waren Quereinsteiger aus anderen Lehramtsstudiengängen. Lehrer können auch berufsbegleitend eine Zusatzqualifikation für Sonderpädagogik erwerben.

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