Urteil über religiöse Vision

Jesus Christus und das Urheberrecht

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Frankfurt/Main - Besuch von Jesus persönlich: Eine US-Professorin will in Wachträumen Schriften direkt von dem Sohn Gottes erhalten haben. Ein deutscher Verein veröffentlichte Auszüge daraus – und wurde wegen Verstößen gegen das Copyright verklagt.

Das Urheberrecht für einen Text gilt auch dann, wenn der Verfasser diesen angeblich in Wachträumen empfangen und nur aufgeschrieben haben will. Das hat das Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) in einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil entschieden und damit die Entscheidung des Landgerichts bestätigt. Es geht um den Text einer amerikanischen Professorin für Psychiatrie aus dem Jahr 1975. Die Frau hatte angegeben, der Text sei ihr in aktiven Wachträumen von Jesus eingegeben und von ihr aufgezeichnet worden.

Ein deutscher Verein hatte Passagen aus dem Buch ("A Course of Miracles") übernommen und argumentiert, die Verfasserin habe ja selbst angegeben, nicht die Urheberin zu sein. Der Text sei ihr nach eigener Aussage von Jesus diktiert worden. Die Gerichte sahen trotzdem einen Urheberrechtsverstoß.

Jenseitige Inspirationen seien nach allgemein vertretener Auffassung rechtlich uneingeschränkt ihrem menschlichen Empfänger zuzurechnen, argumentierte das OLG. Für den Urheberschutz komme es auf den tatsächlichen Schaffensvorgang an. Auch Geistesgestörte und Hypnotisierte könnten Urheber sein. Gegen die Entscheidung können Rechtsmittel beim Bundesgerichtshof eingelegt werden.

dpa

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