Rathaussturm und Krawattenjagd

Jetzt regieren die Narren

Köln/Düsseldorf - Im Rheinland und in anderen Teilen Nordrhein-Westfalens regieren für sechs Tage die Narren. Besondere Vorkommnisse: niedrige Temperaturen. Und die Frage: Kann man in Köln noch als Kardinal gehen?

Pünktlich wie es sich gehört, hat der karnevalistische Frohsinnsausbruch am Donnerstag seinen Lauf genommen. In Düsseldorf stürmten die Möhnen an Weiberfastnacht das Rathaus und setzten den Bürgermeister gefangen. In Köln ließ das Dreigestirn die Narren los. Und überall gingen die Weiber auf Krawattenjagd.

Eindeutige Kostümtrends waren auf den Straßen nicht erkennbar. Die Palette reichte von Klassikern wie Indianern und Piraten über Tierkostüme bis hin zu Filmhelden wie Darth Vader und Jedi-Ritter. Von den Temperaturen her waren auf jeden Fall dicke Ganzkörperkostüme vorzuziehen.

Für Köln sind die tollen Tage jedes Jahr ein tolles Geschäft - Touristen aus dem ganzen Bundesgebiet und darüber hinaus strömen in die Hochburg des organisierten Frohsinns. Der Amerikaner Nima Saifizadeh (21), der sich gerade auf Weltreise befindet, sagte: „Ich wollte eigentlich in Rio de Janeiro Karneval feiern, aber das wäre zu teuer gewesen. Darum verkleide ich mich einfach als Brasilianer und feiere in Köln.“

Michael (45) aus Basel feierte im Kardinalskostüm vor dem Kölner Dom: „Erst hab’ ich ja noch überlegt, ob ich diesen Zeiten als Kardinal gehen soll. Aber jetzt hat die Kirche mit der „Pille danach“ ja doch noch Einsicht gezeigt. Das Kostüm ist also kein Problem mehr.“

Die ursprüngliche Bedeutung des Karnevals aus dem Mittelalter besteht darin, dass die Welt für einige Tage auf den Kopf gestellt wird und alle Rollen vertauscht sind. Nonnen durften sich danebenbenehmen, Knechte ihre Herren ausschimpfen. Dieser Gedanke ist bis heute lebendig. So erklärte am Donnerstag der fünfjährige Lennart aus Köln, der im T-Rex-Kostüm in den Kindergarten ging: „Heute müssen die Erzieherinnen machen, was ich will!“

dpa

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