„Justizskandal“

Jörg Kachelmann geht in die Offensive

- Jörg Kachelmann will raus aus dem Gefängnis und geht jetzt in die Offensive. Sein Verteidiger Reinhard Birkenstock erhebt schwere Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft. Er spricht erstmals von einem „Justizskandal“ und hat Beschwerde gegen die Fortsetzung der Untersuchungshaft eingelegt.

Sollte das Landgericht Mannheim Kachelmanns Freilassung weiter ablehnen, wird sich dadurch nun das Oberlandesgericht Karlsruhe als nächste Instanz mit dem Fall befassen und entscheiden, ob tatsächlich noch ein dringender Tatverdacht besteht.

Nach Anwalt Birkenstock kann davon längst keine Rede mehr sein. Seiner Ansicht nach lügt die Frau, die Kachelmann beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben: „Aus rechtsmedizinischer Sicht steht ... fest, dass die angebliche Vergewaltigung ... nicht stattgefunden haben kann und darum erfunden sein muss.“ Deshalb könne Kachelmann auch nichts zur Aufklärung der „Falschbeschuldigung“ beitragen, denn „schließlich war er nicht zugegen, als die Anzeigeerstatterin ihre Geschichte erfand“.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Schweizer dagegen vor, am Abend des 9. Februar seine langjährige Freundin in ihrer Wohnung vergewaltigt zu haben. Mit einem Messer in der Hand soll Kachelmann sie zum Sex gezwungen haben. Er habe sie mit dem Messer am Hals verletzt und mit dem Tod bedroht, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Die Frau habe sich von ihm trennen wollen, weil sie von seinen Beziehungen zu anderen Frauen erfahren hatte.

Ein von der Verteidigung beauftragter Rechtsmediziner ist inzwischen zu dem Ergebnis gekommen, dass die Kratzer am Hals der Frau eher durch einen Fingernagel als mit einem Messer verursacht wurden. Blutergüsse an ihren Oberschenkeln deuteten seiner Ansicht nach auf selbst zugefügte Faustschläge hin. Und auch eine von der Staatsanwaltschaft beauftragte Rechtspsychologin beurteilte die Tatschilderung des mutmaßlichen Opfers als wenig überzeugend.

Die Staatsanwaltschaft hält dennoch weiter am dringenden Tatverdacht fest. Seit 20. März sitzt Kachelmann hinter Gefängnismauern, weswegen seine Verteidiger jetzt „den Freiheitsanspruch ihres Mandanten auf skandalöse Weise missachtet“ sehen. Birkenstock wirft der Justiz vor, „die Täterin einer Falschbeschuldigung“ zu schützen.

Ein Sprecher des Landgerichts bestätigte gestern den Eingang der Beschwerde. Die Kammer wird nun den Schriftsatz prüfen. Wie lange dies dauern wird, ist ungewiss. Mit der Haftbeschwerde entfällt der für heute angesetzte Haftprüfungstermin. Kachelmanns Anwalt regte zudem an, dass Gericht möge auch das angebliche Opfer anhören, um ihr Gelegenheit zu geben, im geschützten Raum „ein Geständnis abzulegen“.Die Verteidigung geht zum Angriff über. Kachelmanns Tage im Gefängnis könnten gezählt sein.

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