Landesentscheid

„Jugend forscht“-Sieger in Niedersachsen ausgezeichnet

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Foto: Wieso, weshalb, warum: Die jungen Forscher wie die drei aus Goslar mit ihrem sterilen Kunststoff können sich über Platzierungen freuen.

Clausthal-Zellerfeld - Beim 33. niedersächsischen Landesausscheid von „Jugend forscht“ werden gute Ideen belohnt. Am Mittwoch wurden die Sieger in der Technischen Universität Clausthal gekürt.

Der Forscher von morgen hat wenig Zeit. Statt tüfteln im Keller und denken am Schreibtisch muss er viel Energie in die Schule stecken, gerade in Zeiten des verkürzten Abiturs. „Wir stellen seit einiger Zeit schon fest, dass eingereichte Projekte nicht die Qualität haben, die wir uns wünschen“, sagt „Jugend-forscht“-Landeswettbewerbsleiter Thomas Biedermann. Er hat beobachtet, dass viele Projekte gut, allerdings noch nicht ausreichend ausgeforscht sind. Eine Frage der Zeit eben.

Die Schüler, die am MIttwoch in der Aula der Technischen Universität Clausthal ihre Erfindungen und Experimente vorstellten, haben sie sich genommen. 60 Jugendliche von 14 bis 21 Jahren, darunter acht Mädchen, konnten mit 34 Projekten die Jury in den einzelnen Regionalwettbewerben überzeugen und sind so beim Landeswettbewerb im Harz gelandet. Die Sieger aus den sieben naturwissenschaftlichen und technischen Kategorien fahren dann zum Bundeswettbewerb nach Leverkusen. Die Projekte sind sehr unterschiedlich, hier ein paar Beispiele:

Anfassen ohne Ansteckungsgefahr Jeder kennt das. Türgriffe auf öffentlichen Toiletten beispielsweise wimmeln nur so vor Erregern. Ekelig – das finden auch Robert Warneke (17), Barnabas Irmer (18) und Philipp Moritz (17) vom Christian-von-Dohm-Gymnasium in Goslar. Die drei angehenden Abiturienten haben Kunststoffe entwickelt, deren Oberfläche steril ist und eine letale (tödliche) Wirkung auf Mikroorganismen hat. „Die können auch gut in Krankenhäusern eingesetzt werden“, sagt Robert. Für ihre Idee bekommen die drei, die derzeit an ihrem Einserabi basteln, den 1. Preis im Fachgebiet Biologie.

Wie zuverlässig sind Zeugen? Svea Marie Meyer, Zehntklässlerin des Andreanum in Hildesheim, hat sich gefragt, woran man eine zuverlässige Zeugenaussage erkennt. Dafür hat die 16-Jährige eine Online-Befragung entwickelt und mehrere Parameter untersucht. Alles ganz wissenschaftlich. Doch ihr Interesse hat auch einen realen Hintergrund: „Bei uns zu Hause wurde eingebrochen“, sagt sie. Bei Zeugenbefragungen sei ihr aufgefallen, wie unterschiedlich die Leute geantwortet hätten. Ihr Projekt hat übrigens gezeigt, dass Zeugen den Täter in erster Linie an der Haarfarbe zu erkennen meinen – mehr als an allen anderen Veränderungen im Gesicht. „Also, wer einen Bankraub machen will, sollte sich danach die Haare färben“, so der Tipp von Svea Marie. Für ihr wissenschaftlich fundiertes Projekt hat die 16-Jährige den 1. Preis im Fachgebiet Arbeitswelt und einen Sonderpreis des Kultusministeriums bekommen.

Der autonome Quadrocopter Börge Scheel (14), Simon Tümmler (15) und Leonard Kuboschek (16) sind schon erfahrene „Jugend-forscht“-Teilnehmer. Die drei Jungen aus drei verschiedenen Schulen in Braunschweig haben sich bei Regionalwettbewerben kennengelernt. Seitdem treffen sie sich regelmäßig am Wochenende und konstruieren. Ihr aktuelles Projekt: ein Quadrocopter – das ist so etwas ähnliches wie ein Helikopter, nur mit stabileren Flugeigenschaften –  der autonom fliegt und von einer Bodenstation gesteuert wird. „Man könnte ihn etwa bei Waldbrandgefahr oder bei der Suche nach vermissten Personen einsetzen“, sagt Börge. Das Trio bekommt für das Flugobjekt den 1. Platz im Fachgebiet Technik.

Entwicklung des Ruchaymotors Wer weiß – eines Tages steckt in jedem Roboter ein Ruchaymotor. Patentiert ist er zumindest schon. Namensgeber, der 16-jährige Marco Ruchay aus Wilhelmshaven, hat einen Motor entwickelt, der deutlich schmaler ist als herkömmliche Modelle. Und das für den Eigenbedarf: „Ich brauchte so etwas für meine Roboter“, sagt der junge Mann, der Roboter konstruiert, seit er elf Jahre alt ist, – und dafür seine Freizeit opfert. Sein Motor bekommt einen 2. Preis.

Für mehr Kältetoleranz Wenn bei Minustemperaturen mal wieder das Handy schlappmacht, kann das am Lithium-Ionen-Akku liegen. Es ist nämlich ziemlich kälteempfindlich. Luise Kuske (16) von der Sophienschule in Hannover hat ein Akku mit einem anderen Elektrolyt-Lösungsmittel entwickelt, das besser bei Kälte einsetzbar ist. Dafür bekam sie einen Sonderpreis und Praktikum an der Uni Clausthal.

Alle Landessieger: Fachgebiet Arbeitswelt: Svea Marie Meyer (16) vom Andreanum in Hildesheim. Fachgebiet Biologie: Robert Warneke (17), Philipp Moritz (17) und Barnabas Irmas (18) vom Christian-von-Dohm-Gymnasium in Goslar. Fachgebiet Chemie: Sebastian Oehm (15) und Leo Hebbelmann (16) vom Gymnasium Marianum Meppen. Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften: Jan-Oliver Kahl (18) und Marvin Ruder (14) vom Athenaeum in Stade. Fachgebiet Mathematik/Informatik: Hannes Riechert (18) und Jann Horn (17) von der Cäcilienschule in Oldenburg. Fachgebiet Physik: Daniel Pflüger (18) vom Johanneum in Lüneburg. Fachgebiet Technik: Börge Scheel (14), Simon Tümmler (15) und Leonhard Kuboschek (16) vom Wilhelm-Gymnasium in Braunschweig.Beste interdisziplinäre Arbeit: Inken Wittich (19) und Alexander Zimmernmann (18) von der Hoffmann-von-Fallersleben-Schule in Braunschweig.

Der Wettbewerb „Jugend forscht“ Der größte Jugendwettbewerb im Bereich Naturwissenschaften und Technik in Deutschland wurde 1965 vom damaligen „Stern“-Chefradakteur Henri Nannen nach dem Motto „Wir suchen die Forscher von morgen“ initiiert. Mittlerweile in der 48. Runde wird „Jugend forscht“ durch die Wirtschaft und Wissenschaft gesponsert – so kommen auch in diesem Jahr wieder 
7,5 Millionen Euro zusammen.

Veranstalter ist die Stiftung „Jugend forscht“. Die Sieger der einzelnen Regionalwettbewerbe qualifizieren sich für die Landeswettbewerbe. Den Abschluss bildet diesmal das Bundesfinale vom 30. Mai bis zum 2. Juni in Leverkusen. Schüler unter 15 Jahren können beim kleineren Ableger „Schüler experimentieren“ teilnehmen.

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