Flüchtlingsheim in Bremen

Jugendlicher soll Flüchtling missbraucht haben

Bremen - Ein Jugendlicher hat sich in einem Flüchtlingsheim in Bremen möglicherweise an einem 15-Jährigen vergangenen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der sexuellen Nötigung gegen den 17-Jährigen.

Ein 17-Jähriger soll sich in einem Bremer Flüchtlingsheim an einem anderen Jugendlichen vergangen haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Flüchtling wegen des Verdachts der sexuellen Nötigung. „Was tatsächlich passiert ist, ist noch unklar“, sagte Sprecher Frank Passade am Dienstag. Das 15 Jahre alte Opfer hatte die Tat in der Nacht von Freitag auf Samstag beim Sicherheitsdienst der Unterkunft angezeigt. Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) warnte vor einer Vorverurteilung.

Das Jugendamt brachte die Jugendlichen in anderen Einrichtungen unter. „Es ist niemand in Haft genommen worden“, betonte Stahmann. „Wir müssen abwarten, was die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bringen.“ Auf einer Sondersitzung des Sozialausschusses will sie die Abgeordneten in der kommenden Woche über den Vorfall informieren, über den Medien zuvor berichtet hatten. Die Senatorin will jetzt die Konzepte, die sexuelle Übergriffe verhindern sollen, in allen Flüchtlingsheimen überprüfen und eventuell überarbeiten lassen.

In der betroffenen Einrichtung leben zurzeit 200 junge Flüchtlinge, ausgelegt ist sie nur für 170. Nach den Vorgaben des Sozialressorts soll sich ein Betreuer um sechs Jugendliche kümmern. Doch die Träger hätten wegen der vielen neuen Flüchtlinge Probleme, ausreichend Personal zu finden, sagte die Abteilungsleiterin im Sozialressort, Heidemarie Rose. In der Nacht sind in der Unterkunft nur vier Sicherheitskräfte anwesend.

Die CDU-Fraktion sprach von katastrophalen Zuständen in dem Heim. „Damit liegt aus meiner Sicht eine Kindeswohlgefährdung vor“, teilte die Sprecherin der Sozialdeputation Sigrid Grönert (CDU) mit. Die Flüchtlingsunterkunft steht seit Tagen in der Kritik, weil sich dort Bettwanzen ausgebreitet haben. In der kommenden Woche werden die Behörden das Gebäude räumen und sanieren lassen.

Stahmann will dennoch an der Unterkunft festhalten. „Wir stehen vor einer riesengroßen Herausforderung“, sagte sie. Bis Ende Mai seien 410 minderjährige Flüchtlinge nach Bremen gekommen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum habe sich deren Zahl damit fast vervierfacht.

dpa

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