Nach Zugunglück

Junge aus Russland findet Zuhause

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Der Junge war kürzlich aus Russland ins Lager Friedland gekommen, weil seine in Deutschland lebende Großmutter ihn nach dem Tod seiner Mutter adoptieren wollte.

Friedland - Ein achtjähriger mutterloser Junge aus Russland, der seine Großmutter bei einem Zugunglück am Bahnhof Friedland sterben gesehen hatte, wird jetzt von Verwandten aus Baden-Württemberg aufgenommen.

Der achtjährige Junge aus Russland, dessen Großmutter am Freitag im Bahnhof Friedland von einem Zug erfasst und tödlich verletzt worden war, wird bei Verwandten in Baden-Württemberg ein neues Zuhause finden. Das hat der Sprecher des Landkreises Göttingen, Marcel Riethig, mitgeteilt.

Der Junge war kürzlich aus Russland ins Lager Friedland gekommen, weil seine in Deutschland lebende Großmutter ihn nach dem Tod seiner Mutter adoptieren wollte. Als die 63-Jährige ihren Enkel abholen wollte, überquerte sie mit ihm die Bahngleise. Während der Junge unbeschadet den Bahnsteig auf der anderen Seite erklimmen konnte, stand seine Großmutter noch im Gleisbett, als ein Güterzug in den Bahnhof einfuhr und sie vor den Augen ihres Enkels erfasste.

Junge war zunächst in Pflegefamilie

Das Kind erlitt einen Schock und wurde von Medizinern und einem Notfallseelsorger betreut. Durch Vermittlung des Jugendamtes sei der Junge zunächst über das Wochenende in eine Pflegefamilie gekommen, sagte Riethig. Am Montag hätten ihn dann andere Verwandte aus Baden-Württemberg, die inzwischen auch für ihn die Vormundschaft beantragt haben, in Friedland abgeholt und mit zu sich genommen.

Der Landkreissprecher wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass die Jugendämter dringend auf Pflegefamilien angewiesen seien. So habe man für den Achtjährigen, der nur Russisch spricht, keine Pflegefamilie mit entsprechenden Sprachkenntnissen finden können.

Immer wieder überqueren Reisende die Gleise

Die Unfallstelle in Friedland sorgt schon seit Längerem für Diskussionen: Immer wieder überqueren Reisende die Gleise, um ihren Zug noch zu erwischen, weil ihnen am Bahnhof der Weg über die B27 auf die andere Seite der Bahnlinie durch geschlossene Schranken mehrere Züge lang verwehrt ist. Ortsbürgermeister Joachim Lüther, von Beruf Polizist, hat selbst erlebt, wie ein ungeduldiger Radfahrer an geschlossener Schranke sein Gefährt über den Balken hob, die Schienen überquerte und auf der anderen Seite weiterradelte. Ein Schuljunge machte es ihm nach - blindlings.

Die Gleise werden vom Bahnhof bis zur Schranke von einem Zaun getrennt, damit das Überqueren unmöglich wird. Die Großmutter mit Kind aber hat die Gleise vor dem Zaun betreten und muss im Gleisbett bis zum Bahnsteig gelaufen sein. Warum, bleibt unklar.

Heidi Niemann / Jürgen Gückel

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