Organskandal in Göttingen

Justiz ermittelt gegen Göttinger Ärzte

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Foto: Bei dem „Organskandal“ im UKG soll es möglicherweise um Geld gegangen sein.

Göttingen - Den Ärzten ging es möglicherweise um Geld. Im Organspendeskandal ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt aber auch wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Weil Patienten vorgezogen wurden, könnten andere gestorben sein, lautet der Vorwurf.

Eine Woche nach Bekanntwerden eines möglichen Handels mit Organen an der Göttinger Uniklinik wird gegen zwei Ärzte nun auch wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt. Wenn die Mediziner ihre Patienten mit manipulierten Daten auf der Warteliste für Spenderlebern nach oben gemogelt hätten, seien dadurch möglicherweise andere Kranke gestorben, sagte der Göttinger Staatsanwalt Andreas Buick am Freitag. Die niedersachsenweit für Korruption zuständige Braunschweiger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Ärzte bereits wegen möglicher Bestechung. Ob tatsächlich Geld von Patienten an die Ärzte floss, steht aber noch nicht fest.

Eine anonyme Anzeige bei der Deutschen Stiftung für Organtransplantation mit einem Hinweis auf möglichen Organhandel an der Göttinger Klinik habe die Ermittlungen Anfang des Jahres ins Rollen gebracht, sagte die Braunschweiger Staatsanwältin Serena Stamer am Freitag.

Überprüfungen der Bundesärztekammer und der Klinik waren dann die Grundlage für Durchsuchungen bei den beiden verdächtigten leitenden Medizinern. Ende Mai klingelten die Fahnder bei dem ersten, Mitte dieser Woche bei dem zweiten, sagte Stamer. Die Auswertung sichergestellter Unterlagen auf Manipulationen hin erfordere erhebliche Arbeit und Sachverstand. „Das wird eine Sache von Monaten sein.“

Zwar wurde inzwischen bekannt, dass einer der Mediziner an seiner vorherigen Arbeitsstätte an der Uniklinik Regensburg schon 2005 für Missstände bei Transplantationen gesorgt hatte, weil dort Patienten aus Jordanien verbotenerweise auf eine Warteliste gesetzt wurden. "Für uns ist aber Göttingen der Ausgangspunkt im Moment", sagte Stamer. Sollten sich Hinweise auf die Beteiligung anderer Kliniken ergeben, müssten die Ermittlungen entsprechend ausgedehnt werden. Geprüft werde, ob weitere Mitarbeiter in den möglichen Skandal verwickelt sind. Ermittelt wird außerdem gegen eine Firma aus Nordrhein-Westfalen, die mindestens einen Patienten mit finanziellem Profit an die Göttinger Klinik vermittelt haben soll.

Bislang gebe es noch keine Hinweise auf weitere deutschlandweite Verflechtungen in dem möglichen Skandal, sagte Staatsanwalt Buick. „Wir stehen erst ganz am Anfang.“ Insgesamt werden 23 Fälle aus den Jahren 2010 und 2011 untersucht. Die Mediziner könnten, was den Verdacht der fahrlässigen Tötung angeht, fahrlässig oder bedingt vorsätzlich gehandelt haben. Bislang wurden die Ärzte noch nicht befragt, so Buick. „Wir haben noch keinen direkten ganz konkreten Hinweis auf einen Geldfluss, der eine Bestechung belegt“, sagte Stamer. Bei ihren weiteren Ermittlungen wollen beide Behörden abgestimmt vorgehen.

dpa

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