Uniklinikum

Justiz prüft Missbrauchsvorwürfe an Berliner Charité

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Foto: Ein sexueller Übergriff eines Pflegers auf ein 16-jähriges Mädchen soll sich in der vergangenen Woche in der Rettungsstelle des Krankenhauses ereignet haben.

Berlin - Ein Pfleger an der Berliner Charité soll eine wehrlose 16-Jährige missbraucht haben – die Staatsanwaltschaft ermittelt. Das könnte aber schwierig werden:Wichtige Beweise wie DNA-Spuren fehlen.

Nach Bekanntwerden von Missbrauchsvorwürfen gegen einen Pfleger am Uniklinikum Charité hat die Berliner Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen eingeleitet. „Wir ermitteln mit Hochdruck“, sagte der Sprecher der Anklagebehörde, Martin Steltner, am Donnerstag. Der Fall sei nicht einfach, da der Übergriff schon vor mehr als einer Woche passiert sei.

„Beweismittel wie DNA-Spuren gibt es leider nicht mehr“, sagte Steltner. „Darum müssen wir uns vor allem auf Zeugenaussagen zurückgreifen – etwa die der mutmaßlich Geschädigten.“ Der 58 Jahre alte Tatverdächtige sei bislang wegen ähnlicher Fälle nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten.

Am Mittwoch war per Zeitungsbericht bekanntgeworden, dass der Pfleger eine Woche zuvor eine mit Medikamenten ruhiggestellte 16-Jährige in der Kinderrettungsstelle im Virchow-Klinikum missbraucht haben soll. Infolge dessen wurde auch bekannt, dass es bereits frühere Vorkommnisse gegeben haben soll.

Steltner wollte die späte Auskunft der Charité nicht kommentieren. „Wir wurden am Mittwoch von dem Rechtsvertreter der Charité über den Fall unterrichtet.“ Dem sei ein Auskunftsersuchen der Staatsanwaltschaft vorausgegangen. Gesetzlich sei die Charité nicht verpflichtet gewesen, den Fall zu melden. „Darum hat sie sich auch nicht strafbar gemacht. Anders sieht es aus, wenn jemand von einem geplanten Verbrechen weiß und das nicht anzeigt.“

Eine Anzeige der Eltern der 16-Jährigen oder der Charité lägen nicht vor. „Wir haben von Amtswegen ein Verfahren eingeleitet.“ Dabei stehe vor allem der aktuelle Fall im Vordergrund, sagte Steltner. Aussagen von Kollegen des Pflegers, auch in der Vergangenheit habe es Grenzüberschreitungen des Mannes im Umgang mit Kindern gegeben, müssten mit Vorsicht geprüft werden. „Im Hinblick auf etwaige weitere Fälle müssen wir uns hüten, voreilige Schlüsse zu ziehen.“

dpa

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