Naturschutz

Kabinett sucht nach Alternativen für Torf

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Der Torfabbau soll in Niedersachsen reduziert werden.

Hannover - Da der Torfabbau die über Jahrtausende gewachsenen Moore vernichte, die Moore aber als Kohlendioxidspeicher enorm wichtig seien, will Niedersachsen jetzt den Moorschutz extrem verstärken. Ein entsprechendes Programm aus mehreren Schritten haben die beiden Grünen-Minister dazu jetzt vorgelegt.

Wer in seinem Garten den Boden auflockern will, nimmt Torf. Doch das muss nicht sein, betonen Umweltminister Stefan Wenzel und Agrarminister Christian Meyer. Es gebe weitaus umweltverträglichere Ersatzstoffe.

Als erstes sollen 23.000 Hektar, die bisher noch im Raumordnungsprogramm als Vorranggebiete für den Torfabbau vermerkt sind, umgewidmet werden. Die Nutzung nur zu streichen würde laut Meyer nicht reichen, die Gemeinden könnten dann trotzdem noch Genehmigungen zum Torfabbau erteilen. Damit das aber unmöglich wird, will das Land im Juli noch einen Schritt weiter gehen und den neuen Nutzungszweck für die Moore festlegen – sie dienen dann als „Kohlendioxidspeicher“. Die Minister sehen noch Spielraum für die Torfindustrie, denn für rund 17 000 Hektar Moorflächen gibt es gültige Genehmigungen für den Torfabbau, und diese reichen teilweise bis ins Jahr 2060. Daran will die Regierung nicht rühren.

Die Landwirte allerdings könnten auf Entschädigung pochen. 70 Prozent der Moorflächen liegen unter landwirtschaftlichen Nutzflächen. Solange es sich um Grünland handelt, sind die Folgen nicht schlimm. Wenn aber Ackerbau betrieben und der Boden mit schweren Geräten bewirtschaftet wird, geht viel Kohlendioxid verloren. Wenzel und Meyer sprechen von „erschreckenden Zahlen“: Zwölf Prozent der Emissionen aus Treibhausgasen in Niedersachsen gehen darauf zurück, dass Moorflächen beschädigt oder zerstört werden. Der gesamte Straßenverkehr, der gemeinhin als größter Verunreiniger gilt, hat einen nur unwesentlich höheren Anteil an dem Problem – 15 Prozent. Die Regierung will künftig Moore verstärkt „renaturieren“, also wieder vernässen. Denkbar sei, dass man zum Ausgleich für Bauprojekte eine größere Moorfläche wieder in den natürlichen Zustand versetzt.

Ersatz für Torf gibt es auch bereits, betont Meyer. Bestimmte Torfmoose hätten im getrockneten Zustand den gleichen Effekt im Gartenbau, Rindenmulch ebenfalls. Das Problem ist hier aber, dass Rindenmulch verstärkt als Brennstoff in Holzheizungen verfeuert wird.

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