Herbstwetter im Mai

„Kälter wird’s nicht“

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Winter im Frühsommer: Auf dem Brocken fiel am Freitag Schnee.

Hannover - Alle reden übers Wetter. Die weiteren Aussichten sind allerdings ebenfalls trüb – wenn auch weniger herbstlich. Ein Interview.

Dorothea Paetzold ist Diplom-Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Im Süden Deutschlands vermisst die gebürtige Hannoveranerin vor allem die Tatsache, dass Regen verzieht und der Nebel nicht immer an den Bergen hängen bleibt. Dafür gedeihen in Offenbach dank des Klimas die Walnussbäume besonders gut.

Frau Paetzold, was ist bloß schon wieder mit dem Wetter los? Die kälteste Episode in diesem Frühjahr erleben wir vermutlich gerade jetzt. Derzeit hängen mehrere Tiefdruckgebiete über Skandinavien, die kalte Luft zu uns bringen. Aus der Richtung kann zu dieser Jahreszeit gar keine warme Luft zu uns kommen. Aus diesem Grund gab es im Emsland und in Rheinland-Pfalz in den vergangenen Nächten Bodenfrost, im Harz auf dem Brocken sind sogar 13 Zentimeter Schnee gefallen. Das ist eher selten für Ende Mai. Allerdings muss man auch sagen: Kälterückfälle gibt es immer wieder, nur für gewöhnlich nicht so spät und so kräftig wie in diesem Frühjahr.

Zurzeit ist es sogar kälter als an Weihnachten. Gibt es möglicherweise einen neuen Kälterekord für den Monat Mai? Man geht immer davon aus, dass sich die Luft zum Sommer hin nicht schlagartig erwärmt, sondern es dabei immer ein Auf und Ab gibt. Da die abschließende Statistik für den Monat noch nicht vorliegt, kann ich noch nicht sagen, ob wir für den Monat Mai einen Kälterekord verzeichnen werden. Natürlich war es im Mai in Hannover auch schon mal 33,2 Grad warm. Dieser Rekordwert wurde am 30. Mai 1944 erreicht. In Erinnerung ist vielen Menschen jedoch der außergewöhnliche Mai 2012, in dem die Temperaturen immerhin bis 29 Grad kletterten!

Und wann wird es nun endlich Sommer? Das kann ich noch nicht verlässlich sagen. Die Temperaturen sehen für die nächste Woche aber etwas besser aus, es bleibt allerdings weiterhin unbeständig. Die Kraft der Sonne wird jetzt allerdings mit jedem Tag stärker, deshalb werden auch die Temperaturen langsam, aber sicher ansteigen. Zuvor liegt jedoch noch ein nasskaltes Wochenende mit Temperaturen zwischen zehn und maximal 15 Grad Celsius vor uns. Am Sonnabend und Sonntag wird es dazu viel regnen. Danach, denke ich, sind wir über den Berg. Kälter wird es nicht mehr.

Interview: Dany Schrader

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