Brandzeichen

Der Kampf ums heiße Eisen

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Brandzeichen oder Chip? Seit zwei Jahren erhalten Fohlen in Deutschland beides. Ihnen wird ein glühendes Eisen auf den Hinterschenkel gedrückt (oben), zudem bekommen sie einen Chip in den linken Hals (rechts) eingepflanzt.

Hannover - Am Freitag ist im Bundesrat über Tierschutz debattiert worden. Um den Verbot des Schenkelbrandes, gegen das sich die Pferdezüchter wehren, ging es nicht mehr. Niedersachsen hatte für seinen Vorschlag, schmerzfreie Methoden des Schenkelbrandes zu erforschen, keine Mitstreiter gefunden im Ländergremium.

Die Liste der Änderungswünsche ist lang: Rund 60 Vorschläge haben die zuständigen Ausschüsse des Bundesrates zur Tierschutznovelle formuliert, die am Freitag im Bundesrat auch von Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) vorgetragen wurden. Unter anderem geht es darum, künftig nicht nur das Zufügen von erheblichen Schmerzen und Leiden strafrechtlich zu verfolgen, sondern auch das Zufügen von erheblichen Schäden. Schmerz ließe sich bei Tieren mitunter schwer messen, sagt eine Sprecherin Lindemanns, Schäden hingegen könne man eindeutig feststellen. Zum geplanten Verbot des Schenkelbrandes bei Pferden, der auch Teil der Tierschutznovelle ist, hat Lindesmann sich gestern nicht mehr geäußert. Niedersachsens war vor Kurzem im Bundesrat mit dem Vorstoß gescheitert, wissenschaftlich Methoden erforschen zu lassen, wie Brandzeichen schmerzfrei gesetzt werden können.

Bis Ende des Jahres soll das neue Tierschutzgesetz verabschiedet werden. Am Verbot des Schenkelbrandes wird vermutlich nicht mehr gerüttelt werden. Aber es bleibt ein heißes Eisen. Die Zuchtverbände geben ihren Widerstand nicht auf. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Manfred Schaefer, Vorsitzender des Hannoveraner-Verbandes. Das Brandzeichen sei eine einfache, bewährte Methode. Chips einzupflanzen sei für die Tiere viel schmerzhafter: „Viele Pferde haben danach tagelang einen geschwollenen Hals.“ Chips könnten im Körper wandern und seien nicht fälschungssicher. „Wo viel Geld im Spiel ist wie bei Pferdekäufen, ist die Gefahr der Manipulation groß.“

Thomas Nissen vom Holsteiner-Verband kritisiert die emotional geführte Diskussion. „Das wird medienwirksam hochgespielt, ein kleines Fohlen, ein heißes Eisen, da hat jeder Mitleid.“ Er plädiert für das Prinzip der Freiwilligkeit. „Wer brennen will, soll brennen, und wer chippen will, soll chippen. Warum sollen alle gezwungen werden?“ Er hofft, dass sich möglichst viele Bundestagsabgeordnete gegen das Brandzeichenverbot stemmen werden. „Ob das am Ende reicht, weiß man nicht.“ Die Tierschutznovelle tritt in Kraft, ohne dass der Bundesrat zustimmen muss.

Die Brandzeichen seien die Markenzeichen der Zuchtverbände, heißt es. Hans Britze, Zuchtleiter beim Verband für deutsche Pferdezucht verweist darauf, dass bereits heute viele Rassen wie Islandpferde oder Shetlandponys gar kein Brandzeichen mehr, sondern nur noch einen Chip erhalten. Er sagt aber auch: „Ich habe rund 30000 Fohlen einen Schenkelbrand gesetzt, und ich fühle mich überhaupt nicht als Tierschänder.“

Wolfgang Schulze-Schleppinghoff, Zuchtleiter des Oldenburger-Verbandes, meint, man sollte die für Tiere stressfreiere Methode wählen. Er mahnt an, dass es dazu bislang keine umfassende Untersuchung gibt. „Das ist versäumt worden.“ Da Pferde Fluchttiere seien, setzten ihnen vermutlich Spitzen in den Hals mehr zu als Brandzeichen am Hinterschenkel. Aber: „Die ideale Methode der Kennzeichnung gibt es nicht.“

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