Idee entstand im gemeinsamen Garten

„Kasseler Bunkerpilze“: Bei ihnen sprießen die Pilze aus dem Kaffeesatz

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In einem ihrer Anbauräume: Johanna Quendt zeigt einige erntereife Austernseitlinge, die sie unter anderem in einem Kellerraum auf Kaffeesatz anbaut.

In Kassel sprießen die Pilze aus dem Kaffeesatz: Zwei Nachbarinnen bauen Pilzzucht auf.

  • Kasseler Bunkerpilze bieten drei verschiedene Sorten Seitlinge an
  • Nachhaltiger Anbau: Kasseler Cafés spenden nahrhaften Boden
  • Kasseler Pilze werden auf Kaffeesatz gezüchtet

Katrin Becker und Johanna Quendt sind Nachbarinnen. Die Idee, Pilze anzubauen, ist daher, wie soll es auch anders sein, im gemeinsamen Garten gewachsen, sagen sie. Das ist jetzt mittlerweile mehr als ein Jahr her und die ersten Seitlinge können geerntet werden.

Mit ihrem Unternehmen „Kasseler Bunkerpilze“ bauen die beiden Frauen derzeit in mehreren Räumen der Universität und im heimischen Keller die Pilze an. „Da Pilze keine großen Ansprüche stellen, war das kein Problem“, sagt Becker. Ihre Vermieterin habe die Idee zwar ein bisschen verrückt gefunden, sei aber sofort einverstanden gewesen.

Unternehmerinnen aus Kassel züchten Seitlinge

Das Besondere ist, dass sie die Pilze auf Kaffeesatz züchten. Also einem Abfallprodukt, das sonst im Müll landen würde. Das funktioniert, weil Kaffeesatz ähnliche Inhaltsstoffe hat wie Holz, auf dem sich die Seitlinge in ihrem natürlichen Umfeld ansiedeln würden.

Einfach zu ernten: Katrin Becker schneidet mithilfe eines Messers einen Pilz ab.

Durch ein Crowdfunding, also eine Unterstützung durch Spenden, und ein Stipendium haben Quendt und Becker einige grundlegende Anschaffungen finanziert wie beispielsweise ein Lastenrad, um den Kaffeesatz klimafreundlich bei Cafés abzuholen. Bislang machen das Pavillon Café der Uni und das Stamm-Kaffee in der Kasseler Innenstadt mit.

„Kasseler Bunkerpilze“ leben von Kaffeesatz

„Immer wieder bieten uns Privatpersonen an, ihren Kaffeesatz zur Verfügung zu stellen“, sagt Katrin Becker. Aber das Problem sei, dass die Masse frisch verarbeitet werden müsse, also noch nicht trocken sein dürfe.

Daher machen kleine Kaffeesatzmengen für die beiden Unternehmerinnen keinen Sinn. Wenn sich allerdings weitere Cafés melden würden, die ihnen Kaffeesatz ab einer Menge von zehn Kilo für die Pilzzucht zur Verfügung stellen würden, würden sich die beiden sehr freuen.

Rötlich gefärbt: Die Rosenseitlinge.

Katrin Becker schreibt gerade an ihrer Diplom-Arbeit im Bereich Produktdesign, in der es natürlich auch um Pilzanbau geht. Johanna Quendt ist Psychologin und hat ökologische Landwirtschaft studiert.

Zukünftig planen die beiden Gründerinnen, dass sich Becker hauptberuflich durch den Pilzanbau finanzieren kann. Quendt will auch weiterhin noch in anderen Bereichen arbeiten.

Hunger auf Pilzgerichte? In Kassel gibt es neue Seitling-Lieferanten

Derzeit investieren die beiden Pilzbäuerinnen vor allem viel Zeit in ihr noch junges Unternehmen. Gut zehn Kilo Pilze ernten sie pro Woche. Sie bauen drei Sorten an: nämlich Austern-, Rosen- und Limonenseitlinge. Räumlich wollen sie sich erst mal nicht vergrößern, aber der Ernteertrag soll noch mehr werden.

Ob sie denn selbst noch Hunger auf Pilzgerichte haben? „Auf jeden Fall“, sagt Katrin Becker. „Wir sind echte Fans geworden, weil Pilze sich einfach unglaublich vielfältig zubereiten lassen.“

Zu ihren Lieblingsrezepten zählen unter anderem Pilze mit Zimt und Zitrone. Süße Pilzgerichte seien schon speziell, aber eben auch sehr lecker. Freunde und Familie würden sich aktuell immer noch freuen, wenn sie Pilze mitgebracht bekommen wir jetzt zum Beispiel zu Weihnachten.

„Da mussten wir allerdings auch selbst ordentlich Pilze essen, damit nichts verkommt, weil wir an den Feiertagen nichts ausgeliefert haben“, sagt Johanna Quendt.

Ab Frühjahr auch im neuen Unverpackt-Laden in Kassel erhältlich

Bislang gibt es die Pilze nur auf Anfrage. Zukünftig sollen sie dann unter anderem im Unverpackt-Laden zu kaufen sein, der Frühjahr im Vorderen Westen eröffnen soll. Ein Kilogramm der Kasseler Bunkerpilze kostet 24 Euro.

Woher der Name Bunkerpilze kommt? Früher wurden im Weinbergbunker tatsächlich Pilze angebaut, erklären die beiden Gründerinnen. Die Möglichkeit habe sich zwar bislang noch nicht ergeben. Allerdings würden die oberirdischen Anbauflächen immer knapper und Pilze könne man eben auch perfekt unter der Erde anbauen.

Kontaktieren kann man die Kasseler Bunkerpilze per Mail an kasseler_bunkerpilz@posteo.de und über den Instagram-Account: @kasseler_bunkerpilz

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