126.488 Austritte

Katholische Kirche verliert weiter Mitglieder

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Foto: Im vergangenen Jahr wurden 10.380 Mitglieder in die katholische Kirche aufgenommen – mehr als zehn Mal so viele Gläubige traten aus.

Bonn - Die große Schockwelle in der katholischen Kirche ist vorbei. Doch auch nach dem Missbrauchsskandal kehren weiterhin Tausende ihrer Kirche den Rücken.

Die katholische Kirche verliert in Deutschland weiter Mitglieder, die Zahl der Austritte lag im Vorjahr allerdings um ein Drittel unter dem Rekordwert 2010. Nachdem es 2010 im Zuge des Missbrauchsskandals erstmals mehr Austritte als Taufen gegeben hatte, standen im abgelaufenen Jahr 169.599 Taufen 126.488 Kirchenaustritte gegenüber. Das geht aus einer Mitteilung der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn vom Freitag hervor.

Die Austritte pendelten sich damit wieder auf dem Niveau vor dem Missbrauchsskandal ein. 2009 hatten 123.585 Menschen der Kirche den Rücken gekehrt, 2010 mehr als 180.000. Kommentieren wollte die Bischofskonferenz die Mitgliederentwicklung zunächst nicht. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick zeigte sich „sehr froh“ über die Entwicklung. Dennoch sei er über jeden Austritt besorgt. In Bayern hat sich die Zahl der Austritte im Vergleich zu 2010 fast halbiert.

Die Zahl der Menschen, die in die katholische Kirche eintraten oder wieder aufgenommen wurden, sank von 10.979 auf 10.380. In Deutschland gibt es nunmehr noch rund 24,4 Millionen Katholiken (2010: 24,6 Millionen). Die evangelische Kirche zählte Ende 2010 23,89 Millionen Mitglieder.

Die Bischöfe suchen seit Jahren nach Möglichkeiten, wie die Kirche wieder einladender und auch für eher kirchenferne Menschen wieder attraktiver werden kann. Dazu läuft derzeit ein auf mehrere Jahre angelegter Dialogprozess, in dem Katholiken über Reformen in der Kirche nachdenken sollen. Der Ruf nach solchen Reformen, etwa Verbesserungen für wiederverheiratete Geschiedene oder mehr Mitwirkungsrechte für Frauen und Laien, war zuletzt immer lauter zu vernehmen.

Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ warnte die katholischen Bischöfe davor, die neue Statistik als Entwarnung zu deuten. Es gebe zahlreiche aktuelle Konfliktfelder, die in den Zahlen noch gar nicht erfasst seien, sagte Sprecher Christian Weisner. Als Beispiel nannte er den Widerstand gegen eine Strukturreform im Bistum Augsburg. Zudem laufe der Dialogprozess mit den Laien, den die Bischöfe 2010 eingeläutet hatten, nur sehr schleppend an.

Aus der Statistik geht weiter hervor, dass es 2011 rund 248.000 katholische Beisetzungen gab, im Jahr davor waren es 253.000. 2011 waren in Deutschland 14.847 Welt- und Ordenspriester tätig (Vorjahr 15.136). Zu den Ordensgemeinschaften zählten 20.200 Frauen und 3083 Männer. Die Zahl der Pfarreien und Seelsorgestellen verringerte sich von 11.524 auf 11.398.

dpa

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