NSU-Terror

Keine Anschläge in Braunschweig geplant

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Archivfoto: Das Foto des Bundeskriminalamtes zeigt die mutmaßlichen Mitglieder der Terrorzelle NSU, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, aufgenommen im Jahr 2004.

Hannover - Das Landeskriminalamt hat einen Bericht über Anschlagspläne der rechtsextremen Terrorzelle NSU in Braunschweig zurückgewiesen. Es habe in Niedersachsen keine konkreten Vorhaben der drei Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe gegeben, teilte das LKA am Donnerstag mit.

Das habe die Auswertung von 584 Spuren mit Bezug nach Niedersachsen gegeben, die das Bundeskriminalamt (BKA) nach Entdeckung des NSU im vergangenen November in einem Haus in Zwickau sichergestellt hat. Der NSU wird deutschlandweit für eine Serie von zehn Morden und einen Bombenschlag in den Jahren 2000 bis 2006 verantwortlich gemacht.

Die „Neue Presse“ hatte am Donnerstag über einen vom BKA sichergestellten Stadtplan von Braunschweig berichtet, auf dem handschriftlich Punkte markiert waren. Der türkische Generalkonsul Tunca Özcuhadar hat die Markierungen als Adressen von Moscheen und Restaurants identifiziert. Nach Angaben des Landeskriminalamts sind die Namen auch in der sogenannten Zehntausenderliste enthalten, die das BKA in Zwickau sichergestellt hat. Auf dieser Liste sind 10.000 Personen, Institutionen und Verbände verzeichnet - 584 aus Niedersachsen. Bereits im vergangenen November seien alle Betroffenen vom LKA angesprochen worden, sagte ein Sprecher der Behörde. „Sachdienliche Ermittlungshinweise auf konkrete begangene oder geplante Straftaten des NSU haben sich dabei nicht ergeben.“

Wie die Zeitung weiter berichtet, hat die Polizei in Gifhorn eine Gelegenheit verstreichen lassen, die untergetauchten Rechtsextremisten auf einem dortigen Campingplatz zu identifizieren. Demnach waren sie Teil einer Hochzeitsgesellschaft und grölten Nazi-Lieder. „Ich habe die Polizei gerufen“, berichtete der Besitzer des Campingplatzes am Donnerstag der „Aller-Zeitung“ aus Gifhorn. „Wir sollen uns nicht so anstellen“, sei die Reaktion der Ordnungshüter gewesen. Der Campingplatzbetreiber verwies das Trio vom Platz. Aufgrund der Kleidung habe er die drei eindeutig der rechten Szene zugeordnet: „Sie trugen Springerstiefel und Bomberjacken.“ Wen er tatsächlich in dieser Nacht vor sich gehabt hat, wusste er nicht.

Inzwischen ermittelt das BKA: Es wertet die Kundenkartei des Campingplatzes aus den vergangenen zehn Jahren aus. Nach Angaben des LKA seien bis Ende März bereits sämtliche Campingplätze in Niedersachsen auf einen Aufenthalt der NSU-Mitglieder überprüft worden - keiner der Betreiber habe einen Hinweis gegeben.

Karl Doeleke und Uwe Stadtlich

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