Landesschülerrat für Reformpause

„Keine Machtspiele auf Schülerrücken“

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Foto: Helge Feußahrens, Vorsitzender des Landesschülerrates: „Es gibt Eltern, die sagen, sie kennen ihr Kind besser als das Kind sich selbst.“

Hannover - In der Debatte um das Abitur nach acht oder neun Jahren an Gymnasien warnt der Landesschülerrat vor vorschnellem Aktionismus. Dem lautstarken Ruf vieler Eltern nach G 9 wollen sich Schüler nicht ohne Weiteres anschließen.

„Es gibt Eltern, die sagen, sie kennen ihr Kind besser als das Kind sich selbst“, sagt der neue Vorsitzende des Landesschülerrates, Helge Feußahrens. Viele Schüler hätten sich aber mit dem Turbo-Abitur am Gymnasium längst arrangiert, betont der 19-Jährige aus Diepholz, der nach seinem Realschulabschluss jetzt in Hannover bei Concordia eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann macht. „Wenn Schüler das Argument benutzen, sie hätten so viel zu lernen, damit sie nicht mit zur Oma fahren oder ein neues Instrument lernen müssen, hat das mitunter auch Alibifunktion“, sagt Feußahrens. Die Schulen bräuchten jetzt endlich Ruhe und erwarteten nicht von jeder neuen Landesregierung neue Reformen: „Mal zehn Jahre lang kein neues Schulgesetz, das wäre toll.“

Der Landesschülerrat fordert mehr Mitwirkungsrechte für Schüler. Diese könnten dann gleich in der für 2015 geplanten Schulgesetznovelle verankert werden. Denn bislang hätten Lehrer und Schulleiter zusammen im Schulvorstand immer die Mehrheit. „Schüler können einfach überstimmt werden, sie sind wehrlos.“ Sie seien die Letzten in der Hierarchie, politische Machtkämpfe würden auf ihrem Rücken ausgetragen.

Bestes Beispiel sei der Klassenfahrtenboykott an Gymnasien. Weil die Landesregierung die Unterrichtsverpflichtung von Gymnasiallehrern ab August um eine Stunde auf 24,5 Stunden in der Woche erhöht hat, wollen zwei Drittel der Schulen Klassenfahrten und teilweise auch andere außerschulische Aktivitäten wie Theaterbesuche und Konzerte streichen.

Der Landesschülerrat geißelt dies. „Als Pädagogen sind Lehrer auch Vorbild“, sagt der neue Landesschülersprecher. „Aber in dem Streit um die Mehrarbeit verhalten sie sich nicht so, sondern wie ein kleines Kind, das sagt, ich halte so lange die Luft an, bis ich meinen Willen kriege.“ Klassenfahrten stärkten den Zusammenhalt. Wer eine Fahrt streiche, bestrafe die Schwächsten.

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