Ostsee bei Kiel

Kinder finden Sprengstoff am Strand

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Foto: Am Ostseestrand bei Kiel haben zwei Kinder giftige Munitionsreste entdeckt.

Kiel - Gefährliches Strandgut: Kinder haben beim Spielen an der Ostsee Sprengstoff gefunden. Er enthält giftige Substanzen. Nach Untersuchungen gaben Ärzte in diesem Fall Entwarnung. Laut LKA gab es keine akute Gefahr. Umweltverbände warnen dennoch.

Zwei kleine Jungen haben beim Spielen am Ostseestrand in der Nähe von Kiel einen alten Munitionsrest mit giftigen Substanzen gefunden. Laut Kampfmittelräumdienst handelte es sich um sogenannte Schießwolle mit Stoffen, die schon bei Berührung mit der Haut stark giftig sein könnten. Das Landeskriminalamt (LKA) bestätigte am Montag den Fund eines kristallartigen und etwa eineinhalb Kilogramm schweren Klumpens, der sich im Nachhinein als Sprengstoff herausstellte. Eine akute Gefahr habe aber nicht bestanden, hieß es. Eine ärztliche Untersuchung der Kinder habe ergeben, dass die Brüder aus Baden-Württemberg nach dem Fund vom vorletzten Sonnabend keine gesundheitlichen Schäden davontrugen.

Der Vater berichtete dem Naturschutzbund (Nabu), dass sich nach dem Fund seiner Söhne die Hände eines Sechsjährigen, T-Shirt, Jacke und Hose orange verfärbten und sich die Farbe nicht entfernen ließ. Die Kinder hatten das Stück in den Garten der Ferienwohnung in der Urlaubersiedlung Kalifornien mitgenommen.

Nach Ansicht des Nabu, der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) und der Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) stellen Munitionsaltlasten in deutschen Küsten- und Binnengewässern eine latente Gefahr dar. Durchgerostete Munitionsteile setzten hochgiftige Inhalte frei. Zudem befürchten die Verbände, Sprengungen zur Munitionsbeseitigung könnten zu einer weiträumigen Verteilung von Munitionsteilen führen statt zu ihrer vollständigen Vernichtung.

Laut Landeskriminalamt suchten Spezialisten den Strand nach dem Munitionsfund ab, fanden aber keine weiteren gefährlichen Substanzen. Das LKA geht davon aus, dass der von den Jungen gefundene Sprengstoffrest aus maritimer Weltkriegsmunition stammt, die im Meer vor dem Strand von Heidkate liegt. „Sie dürfte am ehesten von Hobbytauchern aufgenommen und nach Feststellung von Abfärbungen an Händen oder Handschuhen wieder im Flachwasser oder an Land entsorgt worden sein“, hieß es. Weltkriegsmunition werde in Schleswig-Holstein und in anderen Bundesländern heute noch regelmäßig zu Lande und zu Wasser gefunden. Dann mache der Kampfmittelräumdienst sie unschädlich. An Stränden werde solche Munition aber äußerst selten entdeckt.

Die Umweltverbände forderten, auf Sprengungen zur Munitionsbeseitigung zu verzichten und Bergungsverfahren mit Robotern anzuwenden. Angesichts von 1,6 Millionen Tonnen oft rostender Munition, die in deutschen Küstengewässern vermutet würden, werde ein Kontakt mit den giftigen Sprengstoffen in Zukunft immer wahrscheinlicher.

dpa/sag

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