Gründungsboom

Kinderfeuerwehren sichern Nachwuchs

+
Die Zahl der Kinderfeuerwehren in Niedersachsen hat sich innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppelt.

Lüneburg-Oedeme - Vor 18 Jahren wurden in Leveste bei Hannover die „Kleinlöschmeister“ gegründet. Der landesweit ersten Kinderfeuerwehr folgten Hunderte weitere Gruppen. Sie sollen langfristig die Nachwuchsprobleme bei den ehrenamtlichen Brandbekämpfern lösen.

Die Zahl der Kinderfeuerwehren in Niedersachsen hat sich innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppelt. Mittlerweile gibt es nach Angaben der Niedersächsischen Jugendfeuerwehr (NJF) landesweit rund 950 Gruppen für Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis maximal zwölf Jahren, 2011 waren es 473 Gruppen. „Gegen den demografischen Wandel hat uns das Modell Kinderfeuerwehr gerettet“, sagte NJF-Bildungsreferent Bernd Dahle. Weil beispielsweise im Harz immer weniger Menschen leben, wird es zunehmend schwieriger, eine Freiwillige Feuerwehr in jedem Dorf aufrechtzuerhalten.

Zwischen 2002 und 2012 haben 62 von ursprünglich knapp 3400 niedersächsischen Ortsfeuerwehren aufgeben müssen. Auch die Mitgliederzahlen bei der Jugendfeuerwehr gehen leicht zurück. Die Idee der Kindergruppen ist, die Jüngsten frühzeitig an die Brandbekämpfer zu binden, damit sie sich auch später ehrenamtlich engagieren. Bei den Treffen stehen Spiele und Sport, Basteln und Ausflüge, Brandschutz- und Verkehrserziehung auf dem Programm.

Die Kübelspritze darf zwar spielerisch zum Einsatz kommen, feuerwehrtechnische Übungen sind aber bei den Sechs- bis Zehnjährigen tabu. In Lüneburg-Oedeme ging am Wochenende eine neue Kinderfeuerwehr an den Start. „Mir liegt sehr am Herzen, die soziale Kompetenzen der Kinder zu stärken“, betonte Sabrina Johannsen. Die 26 Jahre alte Sozialpädagogin leitet die Lüneburger Gruppe gemeinsam mit einer 23 Jahre alten Feuerwehrfrau.

Mädchenanteil liegt bei 40 Prozent

Die Kinderfeuerwehren sind auch ein Weg, mehr junge Frauen für den Brandschutz zu begeistern. In den Kindergruppen im Land beträgt der Mädchenanteil 40 Prozent, in der Jugendfeuerwehr noch gut ein Drittel. Bei den Erwachsenen sind nur etwa elf Prozent der Mitglieder Frauen. Das Engagement ist regional höchst unterschiedlich. Ende 2012 zählte der Bezirk Hannover 253 Kinderfeuerwehren, der Bezirk Weser-Ems hingegen nur 23. Wird eine Gruppe angeboten, gibt es in der Regel viele Anmeldungen.

Bernd Dahle ist über das große Interesse der Eltern nicht verwundert. Seit Jahren seien Feuerwehrleute in einer europaweiten Studie des Magazins „Reader's Digest“ die vertrauenswürdigste Berufsgruppe, sagte er. Zuletzt sprachen ihnen 92 Prozent der befragten Deutschen ein „sehr hohes“ beziehungsweise „ziemlich hohes“ Vertrauen aus. „Vor allem kleine Jungen träumen davon, Feuerwehrmann zu werden. Es ist spannend, das nutzen wir“, sagte Dahle.Ob die Faszination der Kinder anhält und sie auch als Jugendliche und Erwachsene dabeibleiben, wird sich seiner Einschätzung nach allerdings erst in einigen Jahren herausstellen.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare