Pädagogische Einrichtung

Kinderheim Lohne ändert sein Konzept

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Foto. „Fehlt nur noch der Stacheldraht“: Der sogenannten Time-out-Raum in Lohne.

Lohne - Das umstrittene Wohnheim Lohne ändert sein pädagogisches Konzept. In dem Heim sind momentan sieben schwer erziehbare Kinder, die mehrfach gegen das Gesetz verstoßen haben, in einer geschlossenen intensivtherapeutischen Wohngruppe untergebracht. Diese soll nun in eine offene Einrichtung umgewandelt werden.

Das Caritas-Heim bei Vechta wurde 2010 von der damaligen CDU/FDP-Landesregierung eröffnet. Seit dem Regierungswechsel setzen sich SPD und Grüne dafür ein, die geschlossene in eine nicht geschlossene Wohngruppe umzuwandeln. Die Caritas hat als Betreiberin dem Sozialministerium nun Änderungen vorgeschlagen. So solle unter anderem wesentlich schneller geprüft werden, ob für die Kinder eine Lockerung möglich sei, sagt der Sprecher des Sozialministeriums, Uwe Hildebrandt. Die Zeit der geschlossenen Unterbringung solle möglichst kurz sein.

„Wer zu uns kommt, hat vorher sämtliche Jugendfürsorge ohne Erfolg durchlaufen“, sagt Reinhard Möller, Vorstand des Caritas-Sozialwerks in Lohne. Er betonte, dass bereits im jetzigen Konzept eine offene Betreuung vorgesehen ist. „In der Anfangszeit aber müssen wir die Kinder geschlossen unterbringen, da sie gefährdet sind, sich selbst oder andere zu verletzen.“ Zudem müsse sich erst Schritt für Schritt ein Vertrauensverhältnis zwischen dem pädagogischen Betreuer und dem Kind aufbauen. Zu Details des neuen Konzepts wollte sich Möller nicht äußern. „Die Gespräche laufen noch. Wir hoffen, nach dem Sommer die Ergebnisse bekannt geben zu können.“

Vor Kurzem hatte sich der Sozialausschuss des Landtags das Wohnheim angeschaut. „Wir waren alle ziemlich erschüttert“, sagt der sozialpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Uwe Schwarz. Das System mehrerer verschlossener Türen erinnere ihn an eine Justizvollzugsanstalt, sagt Schwarz weiter. Ein Stein des Anstoßes ist für ihn die fünf Meter hohe Mauer, die sich um das Wohnheim zieht. Diese stehe für dessen Gefängnis-charakter, sagt der SPD-Politiker. „Es fehlt nur noch der Stacheldraht.“

Schwarz sieht durchaus die Notwendigkeit, dass die von einem Gericht eingewiesenen Kinder zunächst hinter verschlossenen Türen wohnen. „Das kann aber nur für eine Kriseninterventionszeit in den ersten sechs bis acht Wochen gelten.“ Danach müssten die Kinder viel schneller als bislang das Gelände verlassen oder allein einkaufen können, fordert Schwarz. In dem Heim, das als einziges in Niedersachsen junge Delinquenten geschlossen unterbringt, leben Kinder zwischen zehn und 14 Jahren.

Auch die CDU spricht sich für eine „Weiterentwicklung des pädagogischen Konzepts“ in Lohne aus. Er halte es etwa für sinnvoll, dass Richter anders als bislang schon nach sechs Monaten überprüfen, ob der geschlossene Aufenthalt noch notwendig ist, sagt Stephan Siemer. Der Landtagsabgeordnete, in dessen Wahlkreis die Anstalt liegt, steht einer zeitlich begrenzten geschlossenen Unterbringung mit anschließender Öffnung positiv gegenüber. „Letztlich geht es doch darum, dass wir die Kinder vor Alternativen wie geschlossener Psychiatrie oder Gefängnis bewahren.“

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