Maßregelvollzugszentrum im Kreis Northeim

Kinderpornos kursieren in der Anstalt

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Foto: Das Maßregelvollzugszentrum in Moringen beherbergt psychisch kranke Menschen, deren Schuldfähigkeit zur Tatzeit aufgehoben oder eingeschränkt war.

Moringen - Hier leben Mörder, Totschläger, Brandstifter, Bombenleger, Vergewaltiger - das Maßregelvollzugszentrum in Moringen beherbergt psychisch kranke Menschen, deren Schuldfähigkeit zur Tatzeit aufgehoben oder eingeschränkt war. Doch auch hier kursieren Fotos und Filme vom sexuellen Missbrauch von Kindern.

Auch Kinderschänder leben im Maßregelvollzugszentrum in Moringen im Kreis Northeim. Tagsüber werden sie therapiert, um einmal wieder in die Gesellschaft eingegliedert zu werden. Nachts geben einige von ihnen ihrem Hang nach: Tausende Fotos und Filme vom sexuellen Missbrauch von Kindern kursieren auf den PCs hinter den Anstaltsmauern.

Derzeit geht die Staatsanwaltschaft Hannover mindestens drei Fällen nach. Einzelheiten dazu sind von Oberstaatsanwalt Thomas Klinge nicht zu erfahren - entweder, weil die Ermittlungen noch liefen, oder weil Akten unterwegs und uneinsehbar seien. Dabei hat die Northeimer Polizei ihre Arbeit längst beendet. Das Amtsgericht hat die Akten vor vier Wochen zurückgesandt.

Das Niedersächsische Sozialministerium, zuständig für den Maßregelvollzug, räumt die Ermittlungsverfahren ein. Im Haus von Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) weiß man seit Anfang Juli von dem Problem. Bei einem Besuch in Moringen hat Anstaltsleiter Dirk Hesse davon berichtet. Das Ministerium habe darauf gefordert, „mit aller Entschiedenheit dagegen vorzugehen“ und Kontrollen der Patientenrechner zu intensivieren. Computer ganz zu verbieten, so verweist Hildebrandt auf ein erst im Mai gesprochenes Urteil des Oberlandesgerichtes Celle, gehe nicht. Schon, weil der Umgang mit PCs heute als Qualifikation für eine erfolgreiche Wiedereingliederung erforderlich sei. Mobile Computer seien aber verboten, der Internetzugang streng reglementiert und kontrolliert. Die Rechner im Maßregelvollzug würden zudem immer wieder technisch und auf ihre Inhalte überprüft. Alle Passwörter seien dem technischen Dienst bekannt.

Im aktuellen Fall war es nach Informationen der HAZ ein einschlägig wegen Kindesmissbrauchs, Exhibitionismus und räuberischer Erpressung vorbelasteter Patient, der einen Rechner ohne Internetzugang nutzen durfte. Der 30-Jährige soll sich über einen Mitpatienten, der Freigang hatte, einen verbotenen sogenannten Surfstick beschafft haben. Damit sei er zwischen September und Dezember 2012 heimlich ins Netz gegangen und habe auf einer russischen Pornoseite Bilder vom Missbrauch kleiner Kinder heruntergeladen.

Als der Rechner nach Monaten routinemäßig kontrolliert und nach Auffinden verdächtigen Materials beschlagnahmt wurde, fand die Polizei acht Gigabyte Kinderpornos auf der Festplatte: 1000 bis 1500 Dateien mit Bildern übelster Missbrauchshandlungen. Noch 2014 gab es weitere, vom Amtsgericht Northeim angeordnete Durchsuchungen hinter den Anstaltsmauern.

Das Ermittlungsverfahren gegen den Mann aus dem Raum Verden wurde allerdings inzwischen nach Paragraf 153a eingestellt. Weil Maßregelpatienten ohnehin auf unbestimmte Zeit untergebracht sind und Vollzugslockerungen nach solchen Vorfällen automatisch gestrichen werden, fiele eine zusätzliche Strafe nicht ins Gewicht. Andere bekamen Konsequenzen sofort zu spüren: Ein Patient, der schon Vollzugslockerungen genoss, hat diese sofort verloren. Jetzt sitzt er in Göttingen in einer geschlossenen Außenabteilung.

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