Unschuldig gefangen

Kioskbesitzer fesselt Kunden

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Hildesheim - Ein Kioskbetreiber aus Hildesheim hat einen Kunden stundenlang gefesselt in einem Nebenraum gefangen gehalten. Der Händler hielt den dunkelhäutigen Mann für einen Dieb.

Der Tag hatte schon schlecht angefangen für das spätere Opfer, einen gebürtigen Kameruner, der derzeit in Belgien lebt. Der 28-Jährige hatte am Montagmorgen seine Freundin in Hamburg besucht - allerdings endete mit dem Treffen auch die Beziehung des Paares. Wohl noch unter dem Eindruck dieser Geschehnisse strandete der junge Mann auf seiner Heimreise in Hildesheim. Erst verbrachte er ein paar Stunden in einer Spielothek, dann wurde er hungrig und wollte gegen 23 Uhr in dem Kiosk am Rande der Hildesheimer Fußgängerzone Cola und Schokolade kaufen. Beides wollte er freilich auch bezahlen.

Das überzeugte den 44-jährigen Betreiber des Ladens und dessen 23-jährigen Bekannten jedoch nicht. Sie verwechselten den Schwarzen mit einem notorischen Dieb. Der 28-Jährige hatte gleichwohl den Namen, mit dem die beiden ihn konfrontierten, noch nie gehört. Den Deutsch-Irakern konnte er das jedoch nicht verständlich machen. Das Duo verstand seine Worte nicht. Umso weniger wusste der 28-Jährige, wie ihm geschah, als die beiden plötzlich seinen Schal nahmen und ihm damit die Hände auf dem Rücken fesselten. In einem Nebenraum musste der vermeintliche Dieb so auf dem Boden ausharren - dreieinhalb Stunden lang. In dieser Zeit filmten und fotografierten der 44-Jährige und sein 23-jähriger Bekannter ihn und forderten, er solle seinen Komplizen anrufen und die Beute rausrücken, die er im Kiosk gestohlen habe.

Anstatt aber seinen „Komplizen“ anzurufen, wählte der Gefesselte die Nummer eines Bekannten in Hamburg. Auf Französisch erklärte der 28-Jährige dem Freund seine missliche Lage - was seine Peiniger mangels Sprachkenntnisse nicht verstanden. Der Freund in Hamburg verständigte daraufhin die Hildesheimer Polizei, wobei er den Beamten nur mitteilen konnte, dass sich sein Bekannter „in Bahnhofsnähe“ befand. Gegen 2.50 Uhr machten die Polizisten den Kiosk schließlich aus. Auf den Betreiber und seinen Helfer kommen nun Verfahren wegen Freiheitsberaubung und Nötigung zu.

Der Kameruner will noch bis Ende der Woche in Deutschland bleiben, gab er gegenüber der Polizei an - nach dem Erlebten wolle er es doch noch einmal bei seiner Freundin versuchen.

Von Saskia Fröhlich

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