Prozess in Köln

Kita-Geiselnehmer muss acht Jahre in Haft

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Zehn Stunden hatte er den Leiter einer Kita in seiner Gewalt. Dafür muss der Angeklagte mehrere Jahre in Haft.

Köln - Im April nahm ein Mann den Leiter einer Kölner Kita als Geisel und verlangte Millionen. Die Staatsanwaltschaft sieht ihn als brutalen Gewalttäter, die Verteidigung als depressiven Migranten. Jetzt urteilte das Gericht.

Den Geiselnehmer aus einer Kölner Kindertagesstätte kommt jahrelang ins Gefängnis. Das Landgericht Köln verurteilte den 47-Jährigen am Montag wegen erpresserischen Menschenraubes zu achte Jahren Haft. Der Mann hatte gestanden, im April den Leiter einer Kita in Köln-Chorweiler in seine Gewalt gebracht zu haben. Zehn Stunden lang hielt er ihm ein Messer an die Kehle und verletzte ihn mehrfach, wenn auch nicht lebensgefährlich. Dann stürmte die Polizei das Haus und befreite die Geisel.

Die Staatsanwaltschaft hatte achteinhalb Jahre Haft für den Angeklagten gefordert. Sie argumentierte, er habe die Tat geplant und erhebliche Gewalt angewandt. Die Verteidigung hatte lediglich um ein „gerechtes Urteil“ gebeten.

In dem Prozess hatte der Leiter der Kita geschildert, wie der Angeklagte am Morgen des 5. April in der Einrichtung aufgetaucht war und zunächst vorgegeben hatte, seine Kinder anmelden zu wollen. Im Büro des Leiters zog er ein Messer. Es kam zu einem Handgemenge, bei dem der Täter seinem Opfer in den Rücken und in den Oberschenkel stach. Die Kinder konnten von den Erzieherinnen in Sicherheit gebracht werden.

Der Täter forderte von der Polizei drei Millionen Euro und einen Fluchtwagen. Für den Leiter der Kita begannen zehn Stunden, in denen er nach eigener Aussage um sein Leben fürchtete. Der Täter fesselte ihn und legte ihm eine Kabelschlinge um den Hals. Die letzte Eskalationsstufe bestand darin, dass er ihm mit einer Schere mehrmals in den Rücken stach. Die Schmerzensschreie sollten die Polizei davon überzeugen, dass es ihm ernst war.

Vor Gericht ließ der Angeklagte von seinem Verteidiger erklären, er habe mit dem Geld seiner Familie ein schöneres Leben bieten wollen. Nach Darstellung des Verteidigers hatte der Migrant aus der Türkei in Deutschland nie Fuß gefasst und litt unter Depressionen. Aufgrund seiner Arbeitslosigkeit und Geldnot sei er immer weiter verwahrlost und vereinsamt. Es habe „null Perspektive“ für ihn gegeben.

dpa

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