Diskriminierung

Klagen nach Abweisungen an der Diskothekentür nehmen zu

Hannover - Manchmal ist es die Hautfarbe, manchmal die dunklen Haare - immer wieder werden junge Menschen allein aufgrund ihres Ausshens von Türstehern nicht in Discotheken gelassen. Immer häufiger gibt es deswegen jetzt Klagen.

Besonders hoch ist die Summe nicht. 900 Euro bekommt ein junger Schwarzer vom Oberlandesgericht Stuttgart als Entschädigung zuerkannt, weil er wegen seiner Hautfarbe von einer Reutlinger Discothek abgewiesen worden ist. Für Sebastian Bickerich von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat das Urteil vom Dezember 2011 trotzdem Signalwirkung und Strahlkraft - auch bis nach Norddeutschland. Es sei ein Zeichen für Diskothekenbetreiber. „Rassistische Diskriminierungen an Discotüren sind nicht akzeptabel.“

Auch Constanze Schnepf vom „Antidiskriminierungsnetzwerk Niedersachsen“ in Oldenburg hat ein Umdenken bei den Discobetreibern bemerkt. Auch wenn sich das nicht unbedingt schon „an der Türpolitik auswirkt“, wie sie sagt. Noch immer würden viele junge Männer ausländischer Herkunft von Türstehern abgewiesen. „Fälle, in denen Frauen mit Migrationshintergrund abgewiesen worden sind, sind mir nicht bekannt“, sagt Schnepf. Diese würden eher mit besonderen Angeboten („Den ganzen Abend Sekt gratis“) in die Tanzlokale gelockt.

Das Nein an der Discotür oder am Eingang des Fitnessklubs ist keine Lapalie. Es könne viel größere Folgen haben, als man auf den ersten Blick meine, sagt Bickerich von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. „Da kann man nicht abwinken und sagen, man solle einfach in eine andere Disco gehen“, sagt er.

„Seit 2006 gesetzlich verboten“

Außerdem sei die Diskriminierung seit 2006 gesetzlich verboten. Verstöße würden immer häufiger zur Anzeige gebracht und dann auch juristisch verfolgt. Gerichte würden dies auch zusehends schärfer ahnden.

„Jugendliche erleben das als eine sehr erniedrigende Erfahrung, sie werden aussortiert, in dem Land, das sie als ihr Heimatland empfinden.“

Eigentlich spiele die ethnische Herkunft im Umgang mit Freunden bei jungen Menschen erst mal eine untergeordnete Rolle. Durch die Abweisung werde vielen erstmals bewusst, dass sie „anders“ seien. Sie fühlten sich bloßgestellt vor ihren Freunden. „Das Nein an der Discotür kann gravierende Konsequenzen haben für die Bereitschaft, sich zu integrieren“, warnt Bickerich.

Immer mehr Migranten klagen

Schnepf berichtet von immer mehr Migranten, die sich dies nicht mehr bieten lassen wollen und Klage einreichen. Mehrere Initiativen haben in sogenannten Testings in den jüngsten Monaten in Hamburg und in Sachsen Diskotheken auf die Probe gestellt. Herausgekommen ist oft eine beschämende Bilanz - und weitere Klagen. Noch immer wird vielen jungen Menschen wegen ihrer Herkunft oder ihres Aussehens der Zutritt zu Diskotheken verweigert. Das sei ein Phänomen, das sowohl in Großstädten, aber auch in ländlichen Regionen auftrete, sagt Schnepf: „Wenn man auf dem Land in zwei von drei Diskos nicht reinkommt, ist das bitter.“ Mal sei es die Hautfarbe, mal die dunklen Haare, aber öfters auch der Rollstuhl, der zum Manko an der Diskotür werde.

Der junge farbige Mann, der in Reutlingen vor der Disco abgewiesen worden war, hatte als Begründung vom Türsteher zu hören bekommen: „Es sind schon genug Schwarze drin.“ Das Landgericht Tübingen hatte den Betreiber in erster Instanz zwar angewiesen, David G. den Zutritt aufgrund seiner Hautfarbe nicht mehr zu verwehren. Eine Entschädigung wurde ihm aber nicht zugesprochen.

In nächster Instanz, vor dem OLG Stuttgart, bekam David G. dann 900 Euro zugesprochen. Gefordert hatte er allerdings 5000 Euro. Soviel wollten die Richter dem jungen Mann für das Nein an der Discotür dann aber doch nicht zugestehen.

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